Wochenbericht KW 17: Iran, Hormuz und das Trump-Karussell
Marktübersicht
Gold: 4.050 EUR / 4.752 USD (−1,0 % zur Vorwoche) | Silber: 66,58 EUR / 78 USD (≈ stabil) Platin: 1.777 EUR / 2.085 USD (−0,6 %) | Palladium: 1.337 EUR / 1.569 USD (−0,9 %) Gold/Silber-Ratio: 61 (stabil) EUR/USD: 0,8524
Stand: 22.04.2026, vormittags
Was diese Woche passiert ist
Iran, Hormuz und das Trump-Karussell
Das Wochenende ließ die Kurse Achterbahn fahren. Am Samstag, 18.04., schloss Iran den Strait of Hormuz erneut — offiziell als Reaktion auf angebliche US-Verletzungen der im März unterzeichneten Waffenruhe. Rund 25 Frachtschiffe wurden umgeleitet, Brent stieg in der Spitze über 95 USD. Klassisches Safe-Haven-Szenario — und trotzdem gab Gold nach.
Der Grund ist lehrreich: Ein anhaltend hoher Ölpreis treibt nicht nur die Inflation, sondern auch die Erwartung, dass die Federal Reserve mit Zinssenkungen länger wartet. Genau das deckelt die Gold-Rally. Wir erleben gerade in Echtzeit, dass Gold auf Geopolitik nicht mehr reflexartig reagiert — Zinspfad und Dollarstärke dominieren.
Zum Wochenbeginn kam dann die nächste Wende: Trump signalisierte, ein neuer US-Iran-Deal sei greifbar. Die Märkte flüchteten aus Safe Havens zurück in Aktien. Gold gab weiter nach, der Dollar zog an — und über die Woche gesehen konsolidieren alle Edelmetalle nun ein Prozent tiefer.
Konsolidierung auf breiter Front
Entscheidend ist: Das Korrekturmuster ist diese Woche breit und gleichmäßig. Gold −1,0 %, Platin −1,0 %, Palladium −1,3 %, Silber fast unverändert. Keine Divergenz, keine Story einer einzelnen Metall-Schwäche — sondern der klassische Pullback nach mehreren starken Wochen. Das Gold/Silber-Ratio ist bei 61 stabil, ohne dass sich eine der beiden Seiten spürbar absetzen würde.
Platin zeigt mit 2.076 USD weiter relative Stärke. Die WPIC prognostiziert für 2026 ein viertes Defizit-Jahr in Folge (rund 240.000 Unzen), und die Story der „katalytischen Wiedergeburt“ durch Wasserstoff-Brennstoffzellen und den Rückbau von Palladium in Autokats läuft weiter. Palladium ist der relative Underperformer des Tages (−1,3 %) — hier bestätigt sich der Trend aus Q1: der EV-Anstieg schwächt die Kat-Nachfrage.
Das Silver Institute und die harte Wahrheit über die PV-Nachfrage
Das World Silver Survey 2026 ist diese Woche in den Medien angekommen — und die Zahlen sind für Silber-Beobachter zweischneidig:
- Sechstes Jahr in Folge Marktdefizit, 2026 auf 67 Mio. Unzen geschätzt
- Industrielle Silbernachfrage −2 % auf ein 4-Jahres-Tief von 650 Mio. Unzen
- Photovoltaik-Nachfrage −19 % auf rund 151 Mio. Unzen (nach −6 % in 2025)
Der PV-Einbruch hat einen konkreten Grund: Die Solar-Industrie ersetzt Silber zunehmend durch Kupfer-basierte Alternativen („Thrifting“ und Substitution). Das ist keine temporäre Delle — das ist ein Trend. Die Solarzelle, die 2020 noch rund 110 Milligramm Silber enthielt, liegt 2026 bei unter 70 Milligramm. Und die chinesischen TOPCon- und HJT-Hersteller arbeiten weiter konsequent an der Reduktion.
Dass der Markt trotz PV-Einbruch im Defizit bleibt, zeigt wie eng die physische Versorgung ist. Die neuen Treiber heißen AI-Rechenzentren, Hochleistungselektronik, E-Mobilität — und vor allem Investment-Nachfrage, die sich nicht wegzaubern lässt. Genau deshalb bleibt Silber bei 78 USD stabil, obwohl die Solarschlagzeile bärisch klingt.
COMEX: Die Bestände bleiben strukturell knapp
Eine leichte Stabilisierung auf der Angebotsseite: Die COMEX-registrierten Silberbestände liegen bei rund 76,8 Mio. Unzen bei einer Delivery-Coverage-Ratio von nur 13,4 %. Das ist historisch extrem niedrig — normal wären 25–40 %. Die Bestände bewegen sich auf diesem Level seitwärts, nachdem sie über die letzten Monate stark gefallen waren.
Die Shanghai-Prämie zu LBMA bleibt bei 12–13 % — die physische Knappheit in Asien hält an. Wenn die westlichen Lagerbestände weiter abnehmen und der Shanghai-Arbitrage offen bleibt, ist ein weiterer Squeeze nur eine Frage der Zeit.
Zentralbankkäufe: Nationalbank Polen legt nach
Der neueste World Gold Council Monatsreport (Februar-Daten, diese Woche veröffentlicht) zeigt:
- Netto +27 Tonnen im Februar — zurück auf Normalniveau nach schwachem Januar (5 t)
- National Bank of Poland führt mit +20 t den Einkauf an
- Usbekistan stabil mit +8 t
- Die WGC-Prognose für 2026 liegt bei ~850 Tonnen — nahezu unverändert zum Vorjahr
Das ist die strukturelle Nachfrage, die den Gold-Boden hochzieht. Während der Retail- und spekulative Markt zwischen Iran-News und Trump-Tweets hin- und herpendelt, kaufen Zentralbanken im Hintergrund systematisch. Polen hat jetzt über 520 Tonnen Gold — Tendenz weiter steigend. Auch China berichtet nach längerer Pause wieder offizielle Käufe.
Goldminen-Aktien: Die Frühjahrsrally setzt sich fort
Der NYSE Arca Gold BUGS Index (HUI) stand am 17.04. bei 855,71 Punkten (+3,2 %). Seit Mitte März sehen wir eine klare Erholung nach der zwischenzeitlichen Schwäche. Die Gold-Miner holen das Performance-Gap zum Goldpreis weiter auf — ein Signal, das erfahrene Marktbeobachter ernst nehmen. In historischen Gold-Bullmarkets war die Outperformance der Miner ein Spätphasen-Phänomen, das oft die letzten 30–50 % der Rally ausmacht.
Veränderungen seit letzter Woche (KW 16)
| Kennzahl | KW 16 | KW 17 | Trend |
|---|---|---|---|
| Gold (USD) | ~4.800 | 4.752 | ↓ −1,0 % |
| Gold (EUR) | 4.070 | 4.050 | ↓ −0,5 % |
| Silber (USD) | ~78 | 78 | → stabil |
| Silber (EUR) | 66,70 | 66,58 | → −0,2 % |
| Platin (USD) | ~2.097 | 2.085 | ↓ −0,6 % |
| Platin (EUR) | 1.784 | 1.777 | ↓ −0,4 % |
| Palladium (USD) | ~1.584 | 1.569 | ↓ −0,9 % |
| Palladium (EUR) | 1.347 | 1.337 | ↓ −0,7 % |
| Gold/Silber-Ratio | 61 | 61 | → stabil |
| EUR/USD | 0,85 | 0,8511 | → stabil |
| COMEX Silber registered | ~76 Mio. oz | ~76,8 Mio. oz | → seitwärts |
| Shanghai-Silberprämie | ~12 % | ~13 % | ↑ leicht gestiegen |
| HUI (Goldminen) | ~846 | ~856 | ↑ +1,2 % |
| Zentralbankkäufe Feb | — | +27 t (Polen 20 t) | bullisch strukturell |
Einordnung & Ausblick
Was mir diese Woche besonders aufgefallen ist: Gold reagiert nicht mehr reflexartig auf Geopolitik. Die Iran-Eskalation am Wochenende hätte vor zwei Jahren zweistellige Prozent-Sprünge ausgelöst. Heute bleibt die Preisbewegung moderat — weil der Markt im Inflations- und Zinspfad-Erwartungs-Modus denkt. Das ist nicht bearish. Das ist nur reifer Markt.
Die gleichmäßige Konsolidierung über alle vier Edelmetalle ist das bemerkenswerte Bild der Woche. Keine Story einer bestimmten Metall-Schwäche, sondern eine gesamte Sektor-Pause nach den starken Vorwochen. Das Gold/Silber-Ratio bleibt bei 61 — historisch immer noch viel höher als der langfristige Mittelwert von 50–55, aber unverändert zur Vorwoche.
Der Trump-Iran-Deal ist das bewegliche Ziel der Woche. Kommt er, fällt Gold weiter — Richtung 4.600 USD möglich. Scheitert er erneut (wie schon in KW 15 und 16), ist ein schneller Rück-Sprung über 4.900 USD realistisch.
Die Zentralbankkäufe bleiben der strukturelle Treiber. Wer einen Horizont von mehr als 12 Monaten hat, kann sich an diesem Fundament orientieren. Die monatlichen Durchschnitte liegen seit 2022 bei über 20 Tonnen — das ist der neue Normalzustand, nicht die Ausnahme.
Die nächsten Wochen: Der Fokus liegt auf dem Fed-Meeting Anfang Mai (Zinspfad), dem weiteren Verlauf der Iran-Verhandlungen und dem Q1-Gold-Demand-Trends-Report des World Gold Council (Ende April/Anfang Mai). Der wird uns zeigen, wie stark die ETF-Nachfrage und die Einzelhandelskäufe im 1. Quartal wirklich waren.
Was bedeutet das für dich?
Wenn du seit längerem überlegst einzusteigen, ist die aktuelle Konsolidierung eine bessere Gelegenheit als die Euphorie-Phasen rund um das Januar-Hoch (5.589 USD). Gold in EUR ist rund 5 % unter dem Allzeithoch — und das mit intakten Fundamentaldaten (Zentralbankkäufe, geopolitische Unsicherheit, strukturelles Silber-Defizit).
Wenn du schon investiert bist: Nichts zu tun. Sowohl das Gold-Fundament als auch die Silber-Story bleiben intakt. Kurzfristige Schwankungen sind Rauschen, kein Signal.
Und wenn du noch mit dem deutschen Zollfreilager-Problem aus KW 16 ringst: Die Frist bis 30.12.2029 für Bestandsware läuft — aber jetzt ist der richtige Moment, über den langfristigen Lagerort nachzudenken, statt abzuwarten.
Häufige Fragen zum Wochenbericht
Warum gibt der Goldpreis trotz Iran-Eskalation nach?
Weil der hohe Ölpreis die Inflations-Erwartung hebt und damit die Erwartung, dass die Federal Reserve länger mit Zinssenkungen wartet. Gold reagiert heute deutlich stärker auf Zinspfad und Dollarstärke als auf reine geopolitische Nachrichten — das ist ein Zeichen reifer Marktmechanik.
Was bedeutet der PV-Nachfrage-Rückgang für den Silberpreis langfristig?
Kurzfristig belastend, strukturell nicht entscheidend. Die Solar-Industrie ersetzt Silber zunehmend durch Kupfer-Alternativen (2020 noch 110 mg/Zelle, 2026 unter 70 mg). Trotz dieses Einbruchs bleibt der Silbermarkt 2026 im sechsten Jahr in Folge im Defizit — weil Investment-Nachfrage, Rechenzentren, Elektronik und Industrie den Wegfall kompensieren.
Warum ist der Shanghai-Silberpreis 12–13 % höher als der LBMA-Spot?
Weil die physische Nachfrage in Asien die westlichen Papierpreise sprengt. Die Shanghai Gold Exchange handelt physisches Silber — LBMA und COMEX handeln überwiegend Papierkontrakte. Wenn die physischen Bestände im Westen abnehmen (COMEX registered bei 76,8 Mio. oz, 13,4 % Coverage), zeigt sich die Knappheit zuerst in asiatischen Preisen.
Was bedeutet die anhaltende Rally der Goldminen-Aktien (HUI bei 856)?
Historisch ist die Outperformance der Goldminen-Aktien gegenüber dem physischen Goldpreis ein Spätphasen-Phänomen in Gold-Bullmarkets. Wenn die Miner den Gap zum Goldpreis aufholen, deutet das oft auf die letzten 30–50 % der Rally hin. Das ist kein Garantie-Signal, aber ein Hinweis auf anhaltende institutionelle Nachfrage.
Wichtig: Dieser Wochenbericht ist eine persönliche Markteinschätzung von Alfred Lohmann und stellt keine Anlageberatung dar. Für eine individuelle Beratung: Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
