Glossar — Edelmetalle, Märkte & Recht
Wenn du den Edelmetall-Wochenbericht liest, stößt du regelmäßig auf Begriffe wie Coverage Ratio, First Notice Day oder Cost-Average. Hier findest du sie kurz und klar erklärt — auf der Höhe, die du brauchst, um die Marktnachrichten richtig einzuordnen, ohne dass du selbst Trader werden musst.
🏦 Märkte & Börsen 6
COMEX
Die COMEX (Commodity Exchange) ist die New Yorker Rohstoff-Börse für Edelmetalle und Kupfer. Sie gehört zur CME Group und ist die wichtigste Preisfindungs-Börse der Welt für Gold und Silber. Wenn du in den Nachrichten den „Goldpreis“ oder „Silberpreis“ hörst, meinen die meisten Sprecher den Spot-Preis am COMEX-Terminmarkt — also den Preis, zu dem dort Future-Kontrakte gehandelt werden.
Wichtig zu wissen: An der COMEX wird zu über 99 % nicht physisch geliefert, sondern es werden Kontrakte gehandelt. Die physische Lieferfähigkeit (siehe Coverage Ratio) ist eine Hintergrund-Mechanik, die im Normalfall nicht im Vordergrund steht — bis sie es plötzlich tut.
LBMA (London Bullion Market Association)
Der zentrale Selbstregulierungs-Verband des Londoner Edelmetall-Marktes. Gegründet 1987, mit Sitz in der City of London. Die LBMA hat zwei Funktionen, die für den Edelmetall-Markt weltweit prägend sind:
1. Standards & Marktinfrastruktur. Die LBMA legt fest, was als „Good Delivery“-Barren gilt — Reinheit, Größe, Format, Markierung. Eine Goldbar mit LBMA-Good-Delivery-Status wird im Großhandel weltweit ohne Nachprüfung akzeptiert. Das ist der Grund, warum dieser Marktplatz seit über 100 Jahren das physische Zentrum des globalen Goldhandels ist.
2. Vault-Daten als wichtigster Indikator. Die LBMA veröffentlicht monatlich, wie viel Gold und Silber in den Londoner Tresoren liegt. Diese Zahl ist einer der wichtigsten Indikatoren für die physische Versorgungslage. Aktuelle Größenordnung: rund 27.000 Tonnen Silber und etwa 8.500 Tonnen Gold.
Wer die Lage am Edelmetall-Markt verstehen will, schaut auf die LBMA-Vault-Holdings genauso wie auf die COMEX-Inventories — beide zusammen geben das Bild der westlichen Versorgung. Steigt die LBMA, ist physisches Metall im Westen verfügbar. Fällt sie über Monate, ist der Markt enger als die Spotpreise vermuten lassen.
Shanghai-Premium
Die Shanghai-Premium ist die Preisdifferenz zwischen dem Silber- bzw. Goldpreis an der Shanghai Gold Exchange (SGE) und dem westlichen COMEX-Spot-Preis. Wenn die Premium positiv ist, kostet eine Unze Silber in Shanghai mehr als an der COMEX — das passiert, wenn in China die physische Nachfrage höher ist als das verfügbare Angebot kann.
Die Premium ist strukturell, nicht zufällig: Nur 12–15 Banken in China dürfen Gold/Silber importieren, der Yuan ist nicht frei konvertierbar, und die SGE handelt andere Barren-Formate als die COMEX. Das macht klassische Arbitrage zwischen den Märkten schwer und lässt die Premium auch über längere Zeit bestehen.
Im Frühjahr 2026 lag die Silber-Premium der SGE zur COMEX bei +12 % — ein Hinweis auf echte physische Knappheit in Asien, die sich nicht mehr durch Barren-Verschiffung ausgleichen lässt.
World Gold Council (WGC)
Der World Gold Council ist die internationale Branchen-Organisation der Gold-Mineure. Hauptsitz in London, gegründet 1987 — finanziert von den 32 größten Goldmining-Unternehmen weltweit. Was der WGC für den Markt bedeutet:
Wichtigste Datenquelle für Nachfrage-Statistiken. Der WGC veröffentlicht quartalsweise die „Gold Demand Trends“ — die einzige umfassende Statistik, die Gold-Nachfrage in alle Kategorien aufschlüsselt: Schmuck, Industrie, Investment (Münzen, Barren, ETFs), Zentralbanken. Wer wissen will, wer in welchem Land wie viel Gold gekauft hat, schaut auf die WGC-Daten.
Zentralbank-Daten als Leitwert. Die WGC-Statistik zu monatlichen Zentralbank-Käufen ist der Standard-Indikator für strukturelle Goldnachfrage. Polen, China, Indien, Türkei — wer wann wie viel kauft, steht in den WGC-Tabellen. Diese Zahlen treiben einen großen Teil der mittelfristigen Goldpreis-Entwicklung.
Forecast-Funktion. Einmal im Jahr veröffentlicht der WGC einen ausführlichen Markt-Ausblick, der von Asset-Managern und Banken als Referenz genutzt wird.
Im Edelmetall-Bericht tauchen WGC-Zahlen praktisch wöchentlich auf — entweder als Quartalswerte oder als monatliche Updates der Zentralbank-Käufe.
Open Interest
Der Open Interest (OI) zählt die Anzahl der noch offenen, nicht geschlossenen Future-Kontrakte zu einem bestimmten Liefermonat. Anders als das Handelsvolumen (Wie viele Trades wurden heute gemacht?) zeigt OI, wie viel Kapital aktuell wirklich gebunden ist.
Ein steigender OI bei steigenden Preisen wird als bullisches Signal gelesen (frisches Geld fließt rein), ein fallender OI bei fallenden Preisen als Bärenmarkt-Signal (Positionen werden geschlossen, nicht ersetzt). Bei First Notice Day ist OI besonders relevant, weil er zeigt, wie viel Liefer-Volumen theoretisch noch eingefordert werden könnte.
Registered vs. Eligible Silber
Die COMEX-Lager unterscheiden zwei Kategorien:
- Registered: Silber, das sofort lieferfähig ist — vom Eigentümer als verfügbar deklariert, im Format und Reinheitsgrad, der den Future-Standards entspricht. Nur diese Bestände zählen für die Coverage Ratio.
- Eligible: Silber, das prinzipiell den COMEX-Standards entspricht, aber vom Eigentümer nicht zur Lieferung freigegeben ist. Es liegt im Lager, ist aber nicht aktiv im Markt.
Eligible kann durch eine simple Eigentümer-Erklärung in registered umgewandelt werden — was bei Stress-Phasen passiert, wenn die Coverage Ratio kritisch wird. Aber dieser Umwandlungs-Spielraum ist begrenzt: Wer eligible hält, hat oft langfristige Gründe (Mine, Industrie, große Investor) und gibt Silber nicht leicht zur Lieferung frei.
📊 Terminmarkt & Futures 7
Future / Terminkontrakt
Ein Future ist ein standardisierter Vertrag: Käufer und Verkäufer einigen sich heute auf einen Preis für eine festgelegte Menge eines Rohstoffs (z.B. 5.000 Unzen Silber), die zu einem späteren Termin geliefert wird. Futures werden an Börsen wie der COMEX gehandelt und sind das wichtigste Instrument der Preisfindung auf den Edelmetall-Märkten.
Die meisten Future-Kontrakte werden vor dem Liefertermin geschlossen oder gerollt — nur ein kleiner Teil endet tatsächlich mit physischer Lieferung. Trotzdem entscheidet die Liefer-Mechanik mit darüber, ob der Marktpreis vertrauenswürdig ist (siehe Coverage Ratio).
Backwardation & Contango
Contango beschreibt den normalen Zustand auf Future-Märkten: Der Preis für eine spätere Lieferung ist höher als der heutige Spot-Preis — weil Lagerung, Versicherung und Kapitalbindung Geld kosten, das eingepreist werden muss.
Backwardation ist das Gegenteil: Der Spot-Preis ist höher als der Future. Das passiert, wenn Marktteilnehmer sofort physisches Metall haben wollen und bereit sind, dafür einen Aufschlag zu zahlen, statt auf die spätere Lieferung zu warten. Anhaltende Backwardation gilt als Knappheits-Signal.
First Notice Day (FND)
Der First Notice Day ist der erste Tag, an dem ein Verkäufer eines Future-Kontrakts dem Käufer offiziell mitteilen kann: „Ich werde nicht zurückkaufen, ich werde dir physisch liefern.“ Ab diesem Tag muss der Käufer entscheiden:
- Schließen — Position verkaufen, raus
- Rollen — in den nächsten Liefermonat verschieben (siehe Rollen)
- Bleiben — und akzeptieren, dass tatsächlich Silber/Gold geliefert wird
Der FND ist der Tag, an dem die abstrakte Future-Welt auf die physische Welt trifft. Wenn die Coverage Ratio niedrig ist, wird er zum Stress-Test: Wer auf Lieferung besteht, kann den Markt aus dem Gleichgewicht bringen.
→ Mehr dazu im eigenen Beitrag: COMEX First Notice Day in 5 Minuten verstanden
Margin & Margin Call
Margin ist die Sicherheitsleistung, die du als Future-Händler hinterlegen musst, um eine Position offen zu halten — meist ein kleiner Prozentsatz des tatsächlichen Kontraktwerts (5–15 %). Der Rest wird quasi „auf Kredit“ gehandelt, was den Hebel von Future-Handel ausmacht.
Ein Margin Call ist die Aufforderung der Börse, mehr Sicherheit nachzulegen — entweder weil sich der Markt gegen deine Position bewegt hat oder weil die Börse die Anforderungen systematisch erhöht (z.B. zur Glättung von Liefer-Spitzen am First Notice Day). Wer den Call nicht erfüllt, dessen Position wird zwangsweise geschlossen.
Margin-Erhöhungen sind ein Stell-Hebel der Börse: Sie zwingen Spekulanten zum Schließen, ohne dass sich am Marktpreis direkt etwas ändert.
Rollen (eines Future-Kontrakts)
Rollen bedeutet: Du schließt deine Position im aktuellen Liefermonat und eröffnest gleichzeitig dieselbe Position im nächsten Liefermonat. Damit bleibst du im Markt, ohne Liefer-Risiko vor dem First Notice Day eingehen zu müssen.
Rollen kostet typischerweise einen kleinen Verlust, weil der nächste Future-Kontrakt im Normalfall etwas teurer ist (siehe Contango). Diese Rollkosten sind der Preis dafür, im Markt zu bleiben, ohne physisch ausliefern zu müssen.
Wenn die Mehrheit der Long-Halter ihre Positionen rollt statt zu liefern, bleibt die Liefer-Quote moderat — der Markt funktioniert wie gewohnt. Wenn dagegen viele auf Lieferung bestehen, gerät die Coverage Ratio unter Druck.
Squeeze (physischer)
Ein Squeeze („Klemme“, „Druck“) ist eine Marktlage, in der die physische Verfügbarkeit eines Rohstoffs nicht mehr ausreicht, um die offenen Termin-Verträge zu erfüllen — und der Markt das beim Kursaufbau spürbar einpreist. In der Regel zeigt sich das in vier parallelen Mustern:
- Steigende Lease-Rates weit über das normale Niveau — das Verleihen von Metall wird teuer, weil keiner es leichten Herzens hergibt.
- Fallende LBMA– und COMEX-Bestände, weil das Material aus den Lagern in industrielle Verwendung oder zu starken Käufern abfließt.
- Backwardation an der Terminbörse — der Spotpreis liegt über den Future-Preisen, was bedeutet: „Liefere mir das Metall jetzt, ich zahle Aufschlag“ ist die Markt-Mehrheit.
- Premium auf physische Märkte — Asien und kleinere Bullion-Häuser zahlen Aufschläge gegenüber der westlichen Notierung (siehe Shanghai-Premium).
Squeeze-Phasen sind selten und kurzlebig in Edelmetallen — die letzten großen waren Silber 2011 (Spike auf 50 USD) und Silber Oktober 2025. Sie führen meist zu höheren Spotpreisen, lösen die strukturelle Knappheit aber nicht — die Bestände werden danach zwar wieder aufgefüllt, aber selten auf das alte Niveau. Wer die Mechanik versteht, kann an Frühindikatoren ablesen, wann die nächste Phase kommt: stetig fallende registered-Bestände, hohe Shanghai-Premien, steigende Lease-Rates.
Lease-Rate / Silber-Leasing
Die Lease-Rate ist der Zinssatz, zu dem Banken kurzfristig Edelmetall „verleihen“. Anders als bei Geld werden hier keine Eigentumsrechte übertragen, sondern nur die Nutzung — die Bank gibt physisches Silber an einen Industrie-Verbraucher oder einen Händler, der es kurzfristig braucht, und bekommt es nach 1, 3 oder 6 Monaten zurück (plus Lease-Zins).
Warum diese Zahl wichtig ist: Sie ist der schärfste kurzfristige Knappheits-Indikator, den der Markt kennt. Normale Niveaus für die 1-Monats-Silber-Lease-Rate liegen bei 2–3 %. Werte zwischen 5 und 10 % zeigen leichten Stress, alles über 10 % ist Krisen-Niveau, jenseits von 20 % spricht man von Notlage.
Aktueller Bezug: Im Oktober 2025 schoss die Londoner 1-Monats-Silber-Lease-Rate auf rund 39 % — der höchste Wert seit Jahrzehnten. Das war der Markt-Stress, der den globalen Silber-Squeeze ausgelöst hat. Per April/Mai 2026 ist die Rate auf rund 8 % zurückgekommen — immer noch deutlich erhöht, aber nicht mehr panisch.
Wer sich für den physischen Silber-Markt interessiert, schaut auf die Lease-Rate genauso wie auf die Coverage Ratio und die LBMA-Vault-Holdings.
💰 Preis & Bewertung 4
Spot-Preis
Der Spot-Preis ist der aktuelle Marktpreis, zu dem du physisches Gold oder Silber heute kaufen oder verkaufen kannst — nicht für eine spätere Lieferung wie bei einem Future.
Praktisch ist der „Spot-Preis“, den du in den Nachrichten siehst, meist eine Mischung: Er wird abgeleitet aus dem nächstgelegenen Future-Kontrakt an der COMEX, den LBMA-Fixings in London (zweimal täglich) und dem fortlaufenden Interbank-Handel. Wenn du als Privatkunde kaufst, zahlst du auf den Spot-Preis einen Aufschlag (Spread, Prägekosten, Händlermarge) — meist 3–8 % je nach Form (Münze, Barren) und Größe.
Gold/Silber-Ratio
Das Gold/Silber-Ratio ist die simple Frage: Wie viele Unzen Silber kostet eine Unze Gold?
- Historischer langfristiger Mittelwert: rund 50–55
- Heute (KW 24/2026): rund 63
- Extreme der letzten 30 Jahre: 32 (bei extrem überteuerten Silber 2011) bis 124 (im Corona-Schock 2020)
Steigt das Ratio, läuft Gold relativ besser als Silber. Sinkt es, läuft Silber relativ besser. Viele Investoren nutzen es als Indikator für relative Bewertung: Bei einem hohen Ratio (über 70) gilt Silber als „günstig zu Gold“, bei niedrigem (unter 40) als „teuer“.
Coverage Ratio
Die Coverage Ratio ist eine Verhältniszahl an der COMEX:
Sie zeigt, wie viel Prozent der theoretisch möglichen Auslieferungen die Börse aktuell aus den eigenen Lagern bedienen könnte, falls alle Long-Halter morgen physische Lieferung verlangen.
- 25–40 % — historisch normales Niveau
- 15–25 % — angespannt
- unter 15 % — Stress-Bereich, gilt als Warnsignal
Beim Silber-Mai-Kontrakt 2026 lag die Coverage Ratio Ende April bei 13–14 % — und das sechs Monate in Folge unter 15 %. Das ist ein historisch beispielloser Zustand und der Grund, warum jeder First Notice Day im Moment besonders aufmerksam beobachtet wird.
PGM (Platinum Group Metals)
PGM steht für „Platinum Group Metals“ — die sechs chemisch verwandten Edelmetalle Platin, Palladium, Rhodium, Iridium, Ruthenium und Osmium. Im Anlagekontext sind nur die ersten beiden relevant: Platin und Palladium machen über 95 % des PGM-Anlagemarkts aus.
Was sie verbindet: Geologische Vorkommen (rund 75 % der Welt-Förderung kommt aus Russland und Südafrika), industrielle Anwendungen (Auto-Katalysatoren, Wasserstoff-Brennstoffzellen, Schmuck, Chemie-Industrie), und ein deutlich kleinerer Markt als Gold/Silber — was sie volatiler macht.
Was sie unterscheidet:
- Platin — historisch teurer als Gold, mittlerweile rund halb so teuer. Hauptverbrauch: Diesel-Katalysatoren (rückläufig durch EV-Wende), zunehmend Wasserstoff-Brennstoffzellen (wachsend), Schmuck (vor allem Asien), Chemie-Katalyse.
- Palladium — hauptsächlich Otto-Motor-Katalysatoren, daher sehr volatil bei jeder Auto-Markt-Veränderung. Strukturell unter Druck durch EV-Substitution, aber 2026 erstmals seit Jahren wieder mit kleinem Defizit.
PGM-Märkte sind klein und volatil — Tagesbewegungen von 5–10 % sind nicht ungewöhnlich. Sie eignen sich als Beimischung im Edelmetall-Portfolio, sollten aber nicht das Kernstück sein. Wer PGM hält, sollte sich der Liquiditäts- und Volatilitäts-Unterschiede zu Gold und Silber bewusst sein.
🧭 Strategie & Sparen 2
Cost-Average / Sparplan-Logik
Wenn du in gleichbleibenden Beträgen regelmäßig (z.B. monatlich) kaufst, anstatt einen einmaligen Großbetrag, dann gleichst du Kursschwankungen automatisch aus: Bei niedrigen Kursen bekommst du mehr Anteile für dasselbe Geld, bei hohen Kursen weniger. Über einen längeren Zeitraum landest du damit bei einem Durchschnittspreis, der dichter am tatsächlichen Mittelwert liegt — und nicht abhängig vom Glück oder Pech, wann du eingestiegen bist.
Bei volatilen Anlagen wie Edelmetallen ist dieser Effekt besonders stark, weil die Schwankungen größer sind. Der Sparplan nimmt dir damit nicht nur die Frage „Wann ist der richtige Zeitpunkt?“ ab, er bestraft Dich auch nicht, wenn du sie falsch beantwortest.
Liquiditätsplan in Stufen
Ein mehrstufiger Liquiditätsplan ordnet dein Geld nach Verfügbarkeit und Zeit-Horizont. Statt alles auf ein Konto zu legen oder alles in eine Anlage, baust du Schichten:
- Stufe 1 — Notgroschen (sofort verfügbar): 3–6 Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto. Hier ist Verfügbarkeit wichtiger als Rendite — diese Stufe darf real Kaufkraft verlieren.
- Stufe 2 — Mittelfristig (1–3 Jahre): Geld für geplante Anschaffungen, Reserve für Unerwartetes. Konservative Anlagen mit moderater Rendite.
- Stufe 3 — Langfristig (5+ Jahre): Vermögensaufbau und Inflationsschutz. Hier gehören Edelmetalle, Sachwerte und langfristige Investments hin.
Der Plan zwingt dich, bewusst zu entscheiden, was kurz, mittel und lang gebunden ist. Wer nur Stufe 1 hat (alles auf Tagesgeld), verliert systematisch gegen die Inflation — wer nur Stufe 3 hat (alles langfristig gebunden), gerät bei jeder unerwarteten Rechnung ins Schwitzen.
⚖️ Recht, Steuer & Verwahrung 14
Zollfreilager (Edelmetalle)
Ein Zollfreilager ist ein speziell zertifiziertes Lager, in dem Edelmetalle ohne Erhebung von Mehrwertsteuer und Einfuhrzöllen aufbewahrt werden — solange das Metall das Lager nicht verlässt. Klassischer Anwendungsfall: Eine Privatperson kauft Silbermünzen oder Platinbarren und lässt sie direkt in einem Schweizer Zollfreilager (z. B. Genf, Zürich) deponieren. So lange das Metall dort liegt, fällt keine deutsche Mehrwertsteuer an. Erst beim Bezug in die EU würde die MwSt. fällig.
Warum das relevant ist: Bei Silber, Platin und Palladium beträgt die deutsche Mehrwertsteuer 19 %. Wer 50.000 € Silber kaufen will, spart in einem Zollfreilager rund 9.500 € MwSt. — solange er es dort lagern lässt. Bei Gold hingegen sind Anlagemünzen und -barren in der EU mehrwertsteuerbefreit, dort spielt die Lagerlogik eine andere Rolle (Versicherungsschutz, Diskretion, Erbschaftsregelung).
Übergangsregelung Deutschland (wichtig 2026): Deutsche Zollfreilager-Lösungen mit Bestandsware aus früheren Jahren laufen nach derzeitigem Stand bis 30.12.2029. Wer Material in deutschen Lager-Konzepten hält, sollte die Frist im Auge behalten und rechtzeitig (nicht im letzten Quartal) eine Anschluss-Strategie planen — Verlagerung in die Schweiz oder nach Liechtenstein, oder strukturierte Inland-Alternative.
Wichtig zu wissen: Ein Zollfreilager ersetzt nicht die persönliche Steuerpflicht. Beim Verkauf greifen weiterhin die Spekulationsfristen für privates Veräußerungsgeschäft (§ 23 EStG). Wer länger als ein Jahr hält, verkauft steuerfrei — unabhängig davon, ob das Metall im Zollfreilager oder im Bankschließfach lag.
ETC (Exchange-Traded Commodity)
Ein börsengehandeltes Wertpapier, das die Wertentwicklung eines Rohstoffs (z. B. Gold) abbildet. ETCs sind rechtlich meist Inhaberschuldverschreibungen der Emittentin — also kein Sondervermögen wie bei einem UCITS-Fonds. Manche ETCs sind mit physischem Gold besichert, andere nur synthetisch über Sicherungsgeschäfte.
Inhaberschuldverschreibung
Ein Wertpapier, das ein schuldrechtliches Versprechen verbrieft: Der Inhaber hat einen Anspruch gegen die Emittentin — etwa auf Lieferung von Gold oder auf Zahlung. Anders als beim Sacheigentum an einem konkreten Barren besteht hier ein Anspruch gegen ein Unternehmen, dessen Werthaltigkeit von dessen Zahlungsfähigkeit abhängt. Viele Gold-ETCs (z. B. Xetra-Gold) sind rechtlich Inhaberschuldverschreibungen.
Buchgold
Gold, das dem Anleger nicht als zugeordneter physischer Barren gehört, sondern nur als Lieferanspruch „auf dem Papier“ (in den Büchern) zusteht. Im Gegensatz zu zugeordnetem (allokiertem) physischem Gold trägt der Anleger beim Buchgold ein Gegenparteirisiko gegenüber dem Schuldner des Anspruchs.
Buchgoldschuldnerin
Das Unternehmen, das die Lieferansprüche aus Buchgold bedient. Bei Xetra-Gold nimmt diese Rolle die Umicore AG & Co. KG wahr, die Gold-Lieferansprüche erfüllt. Die Bonität dieser Schuldnerin ist Teil des Risikos der Konstruktion.
Verwahrstelle
Die Bank oder Institution, die das hinterlegte physische Gold für die Emittentin verwahrt (bei Xetra-Gold u. a. die Clearstream Banking AG). Wichtig: Verwahrt wird in der Regel für die Emittentin — nicht zwingend als unmittelbares Eigentum des einzelnen Anlegers.
Sondervermögen
Bei UCITS-Investmentfonds gesetzlich geschütztes Vermögen, das im Insolvenzfall der Kapitalverwaltungsgesellschaft nicht in deren Insolvenzmasse fällt (insolvenzgeschützt). Wichtig: Ein ETC ist kein Sondervermögen — dieser Schutzmechanismus greift dort nicht.
Plazeur
Die Bank, die ein Wertpapier am Markt platziert (in den Handel bringt). Eine reine Vertriebs- bzw. Platzierungsrolle — sie sagt nichts über die rechtliche Eigentumsstellung des Anlegers am zugrunde liegenden Gold aus.
Sacheigentum (§ 929 BGB)
Das Eigentum an einer beweglichen Sache — z. B. an einem konkreten, zugeordneten Goldbarren. Übertragen wird es nach § 929 BGB durch Einigung und Übergabe. Sacheigentum verschafft eine andere, dinglich gesicherte Rechtsposition als ein bloßer schuldrechtlicher Lieferanspruch (vgl. Inhaberschuldverschreibung).
Aussonderungsrecht (§ 47 InsO)
Das Recht, eine einem nicht gehörende Sache aus der Insolvenzmasse herauszuverlangen. Wer Eigentümer eines konkret zugeordneten Barrens ist, kann diesen grundsätzlich aussondern — er fällt nicht in die Masse. Ein rein schuldrechtlicher Anspruch (z. B. aus einem ETC) begründet dagegen kein Aussonderungsrecht.
Insolvenzmasse
Das gesamte verwertbare Vermögen einer insolventen Gesellschaft, aus dem die Gläubiger befriedigt werden. Wer nur einen schuldrechtlichen Anspruch hält (etwa aus einer Inhaberschuldverschreibung), ist im Insolvenzfall regelmäßig einfacher Insolvenzgläubiger. Wer dagegen Eigentümer einer konkreten Sache ist, kann diese unter Umständen aussondern (siehe Aussonderungsrecht).
Sparer-Pauschbetrag
Jährlicher Freibetrag für Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, Fonds- und ETF-Erträge, Kursgewinne aus Wertpapieren). Bis zu seiner Höhe bleiben Kapitalerträge abgeltungsteuerfrei; darüber fallen 25 % Abgeltungsteuer (zzgl. Soli, ggf. Kirchensteuer) an. Genutzt wird er über einen Freistellungsauftrag bei der Bank.
Bezug zu Edelmetallen: Physisches Gold und Silber ist kein Kapitalertrag im Sinne des § 20 EStG — Gewinne laufen über § 23 EStG (privates Veräußerungsgeschäft, nach einem Jahr steuerfrei) und berühren den Sparer-Pauschbetrag nicht. Relevant wird er vor allem im Vergleich von Gold mit ETFs, Fonds oder Tagesgeld.
| Zeitraum | Einzelperson | Zusammenveranlagung |
|---|---|---|
| 2007–2008¹ | 801 € | 1.602 € |
| 2009–2022 | 801 € | 1.602 € |
| seit 2023 | 1.000 € | 2.000 € |
¹ Davor als Sparerfreibetrag (750 €) plus Werbungskosten-Pauschale (51 €) = 801 € effektiv; 2009 mit Einführung der Abgeltungsteuer zum heutigen Sparer-Pauschbetrag zusammengefasst.
Abgeltungsteuer
Pauschale Steuer von 25 % auf Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne aus Wertpapieren und Fonds), zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer — effektiv rund 26,4 % (ohne Kirchensteuer). Die Bank behält sie meist direkt als Quellensteuer ein; bis zum Sparer-Pauschbetrag bleibt es steuerfrei.
Bezug zu Edelmetallen: Physisches Gold und Silber ist kein Kapitalertrag (§ 20 EStG) — auf Gewinne fällt keine Abgeltungsteuer an; sie laufen über § 23 EStG und sind nach einem Jahr steuerfrei. Relevant wird sie im Vergleich mit ETFs, Fonds oder Tagesgeld.
Vorabpauschale
Jährliche Mindestbesteuerung thesaurierender (wiederanlegender) Investmentfonds und ETFs nach § 18 InvStG. Auch ohne Verkauf wird ein fiktiver Mindestertrag (Basiszins × 70 % des Fondswerts, höchstens die tatsächliche Wertsteigerung) der Abgeltungsteuer unterworfen. Den Basiszins veröffentlicht das BMF jährlich; die Vorabpauschale gilt am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen und wird beim späteren Verkauf angerechnet. Kurz: Wer nicht verkauft, zahlt trotzdem.
Bezug zu Edelmetallen: Physisches Gold kennt keine Vorabpauschale — kein laufender fiktiver Ertrag, keine jährliche Steuer. Ein struktureller Vorteil gegenüber thesaurierenden Fonds, sichtbar im Vergleichsrechner.
Stand der Definitionen: 13.06.2026. Wenn sich Mechanik oder Marktpraxis ändert, aktualisiere ich diese Seite.

