Wochenbericht KW 16: Neue Steuerregeln
Marktübersicht
Gold: 4.070 EUR / ~4.800 USD (−0,9% heute) | Silber: 66,70 EUR / ~78 USD (−1,1%)
Platin: 1.784 EUR (+0,7%) | Palladium: 1.347 EUR (+0,7%)
Gold/Silber-Ratio: 61
Stand: 15.04.2026, 12:23 Uhr
Was diese Woche passiert ist
Neue Gesetzeslage: Das Ende der Steuerfreiheit im deutschen Zollfreilager
Das Thema der Woche kommt nicht vom Markt, sondern vom Bundesfinanzministerium. Mit dem BMF-Schreiben vom 09.04.2026 hat das Ministerium den Umsatzsteuer-Anwendungserlass zu § 4 Nr. 4b UStG geändert — und damit eine jahrelange Praxis im Edelmetallmarkt beendet.
Was ist passiert?
Die bisherige Umsatzsteuerbefreiung für Rohstoffe in deutschen Zollfreilagern gilt nicht mehr. Wer Silber, Platin, Palladium, Technologiemetalle oder Seltene Erden in einem deutschen Zollfreilager kauft, muss ab sofort Umsatzsteuer zahlen. Das betrifft Privatanleger genauso wie Unternehmen.
Hintergrund: Bereits mit dem Jahressteuergesetz 2024 wurde die Umsatzsteuerlagerregelung (§ 4 Nr. 4a UStG) zum 01.01.2026 aufgehoben. Viele Anbieter hatten daraufhin auf § 4 Nr. 4b UStG ausgewichen — die Steuerbefreiung für Lieferungen, die einer Einfuhr vorangehen. Das BMF-Schreiben vom 09.04.2026 schließt jetzt auch dieses Schlupfloch.
Was ist NICHT betroffen?
- Anlagegold bleibt nach § 25c UStG komplett umsatzsteuerbefreit — frei und ungebunden davon, wo es gelagert wird
- Zollfreilager im Ausland (z.B. Schweiz) sind von der deutschen Regelung nicht betroffen, da die Ware vor der Einlagerung als steuerfreie Ausfuhrlieferung das Land verlässt
Übergangsregelung: Für Ware, die bis zum 31.12.2025 in ein deutsches Umsatzsteuerlager eingelagert wurde, gilt die alte Regelung noch bis zum 30.12.2029.
Was das für den Markt bedeutet
Die Auswirkungen sind bereits spürbar. Anbieter, die auf deutsche Zollfreilager gesetzt haben, stehen vor einem massiven Problem: Ihr Geschäftsmodell — Silber und andere Rohstoffe umsatzsteuerfrei zu verkaufen und einzulagern — funktioniert so nicht mehr. Einige werden ihre Modelle umstellen müssen, andere werden Kunden verlieren.
Für Anbieter mit Zollfreilagern außerhalb Deutschlands ändert sich nichts. Bei einer steuerfreien Ausfuhrlieferung mit anschließender Einlagerung etwa in der Schweiz bleibt das Modell vollständig umsatzsteuerbefreit.
Konkret heißt das: Wer bisher Silber über ein deutsches Zollfreilager gekauft hat, zahlt jetzt 19% mehr — oder wechselt zu einem Anbieter mit ausländischer Lagerung. Für Gold ändert sich gar nichts.
Meine Einschätzung
Ich sage es ganz offen: Diese Entwicklung überrascht mich nicht. Wer im Edelmetallbereich langfristig denkt, musste damit rechnen, dass der Gesetzgeber die deutschen Zollfreilager-Konstruktionen irgendwann hinterfragt. Genau deshalb habe ich für meine Kunden von Anfang an auf eine Struktur gesetzt, die auf steuerfreien Ausfuhrlieferungen mit Lagerung in der Schweiz basiert — nicht auf deutsche Steuerprivilegien, die jederzeit kippen können.
Wer jetzt betroffen ist, hat mein Mitgefühl — aber es zeigt, wie wichtig es ist, bei Edelmetall-Investments nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern auch auf die rechtliche und steuerliche Struktur dahinter. Die billigste Lösung ist nicht immer die sicherste.
Für meine Kunden ändert sich durch das BMF-Schreiben nichts. Alle Prozesse laufen stabil weiter. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer bewussten Entscheidung bei der Wahl des Abwicklungsmodells.
Markt-Recap: Konsolidierung auf hohem Niveau
Nach der starken Rally der Vorwochen konsolidieren die Edelmetalle diese Woche leicht:
Gold pendelt um die 4.800 USD / 4.070 EUR und gibt heute knapp 1% nach. Das Allzeithoch (5.589 USD vom 28. Januar) ist noch 16% entfernt. Die Goldminenaktien setzen ihre Frühjahrsrally fort — der NYSE Arca Gold BUGS Index legte in KW 15 nochmal 4,6% zu auf 846 Punkte. Goldaktien holen damit den Vorsprung des Goldpreises schrittweise auf.
Silber gibt ebenfalls leicht nach auf rund 78 USD / 66,70 EUR. Die physische Knappheit bleibt das dominierende Thema: Die Shanghai Gold Exchange handelt Silber weiterhin mit 12–13% Aufschlag über dem LBMA-Spot — ein klares Zeichen, dass die physische Nachfrage in Asien die westlichen Papierpreise sprengt. Die COMEX-Registered-Bestände sind unter 76 Mio. Unzen gefallen — bei einem Paper-to-Physical-Ratio, das weiter steigt.
Platin und Palladium zeigen relative Stärke mit jeweils +0,7% heute.
Geopolitik: Iran-Gespräche gescheitert
Die in KW 15 vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran steht auf der Kippe. Nach über 20 Stunden Verhandlungen reiste US-Vizepräsident Vance ohne Einigung aus Pakistan ab. Die Differenzen beim iranischen Atomprogramm bleiben groß. Das stützt Gold als Safe Haven.
Veränderungen seit letzter Woche (KW 15)
| Kennzahl | KW 15 | KW 16 | Trend |
|---|---|---|---|
| Gold (USD) | ~4.800 | ~4.800 | → Konsolidierung |
| Gold (EUR) | ~4.108 | 4.070 | ↓ −0,9% |
| Silber (USD) | ~77 | ~78 | ↑ +1,3% |
| Silber (EUR) | ~67,40 | 66,70 | ↓ −1,0% |
| Platin (EUR) | ~1.790 | 1.784 | → Stabil |
| Palladium (EUR) | ~1.338 | 1.347 | ↑ +0,7% |
| Gold/Silber-Ratio | ~62,3 | ~61 | ↓ Silber holt auf |
| COMEX Silber reg. | ~124 Mio. oz | <76 Mio. oz | ↓↓ Starker Abfluss |
Einordnung & Ausblick
Die Gesetzesänderung ist für den deutschen Edelmetallmarkt ein Wendepunkt. Wer bisher umsatzsteuerfrei Silber in Deutschland gelagert hat, steht vor der Wahl: 19% Steuer akzeptieren, ins Ausland wechseln oder auf Gold umschichten. Die Übergangsregelung bis 2029 dämpft den Schock für Bestandsware, aber Neukäufe sind ab sofort betroffen.
Für den Goldpreis selbst ist die Nachricht neutral — Gold war und bleibt umsatzsteuerfrei. Aber für Silber könnte die Regelung paradoxerweise bullisch sein: Wenn deutsche Anbieter ihre Zollfreilager-Modelle aufgeben, fließt ein Teil der Nachfrage in physische Käufe mit Auslieferung — und physisches Silber ist ohnehin schon knapp.
Die nächsten Wochen: Die Iran-Verhandlungen bleiben der geopolitische Haupttreiber. Die COMEX-Silber-Bestände fallen weiter — unter 76 Mio. Unzen registriert bei einem strukturellen Defizit. Die Frage ist nicht ob, sondern wann sich das in den Preisen widerspiegelt. Und Gold tastet sich weiter Richtung 5.000 USD vor.
Was bedeutet das für dich?
Wenn du Silber oder andere Rohstoffe in einem deutschen Zollfreilager hast: Deine Bestandsware ist durch die Übergangsregelung bis 2029 geschützt. Für Neukäufe lohnt sich der Blick auf Modelle mit ausländischer Lagerung. Für Gold ändert sich nichts — Anlagegold bleibt steuerfrei, egal wo.
Unsicher, was die Änderung für deine Edelmetall-Strategie bedeutet? Melde dich — ich ordne das gerne persönlich für dich ein.
Wichtig: Das ist meine persönliche Markteinschätzung, keine Anlageberatung. Für eine individuelle Beratung: Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
Häufige Fragen zur neuen Gesetzeslage
Muss ich jetzt auf Silber im Zollfreilager Steuern zahlen?
Ja — seit dem BMF-Schreiben vom 09.04.2026 gilt die Umsatzsteuerbefreiung für Rohstoffe in deutschen Zollfreilagern nicht mehr. Wer Silber, Platin oder andere Rohstoffe (außer Gold) in einem deutschen Zollfreilager kauft, zahlt ab sofort 19% Umsatzsteuer. Für Bestandsware, die vor dem 01.01.2026 eingelagert wurde, gilt eine Übergangsregelung bis Ende 2029.
Ist Gold von der neuen Regelung betroffen?
Nein. Anlagegold bleibt nach § 25c UStG komplett umsatzsteuerbefreit — frei und ungebunden davon, wo es gelagert wird. Die Änderung betrifft nur Silber, Platin, Palladium, Technologiemetalle und Seltene Erden in deutschen Zollfreilagern.
Sind Schweizer Zollfreilager auch betroffen?
Nein. Zollfreilager im Ausland, etwa in der Schweiz, sind von der deutschen Regelung nicht betroffen. Bei einer steuerfreien Ausfuhrlieferung mit anschließender Einlagerung in der Schweiz bleibt das Modell vollständig umsatzsteuerbefreit.
Was passiert mit meinem Silber, das bereits im deutschen Zollfreilager liegt?
Für Ware, die bis zum 31.12.2025 in ein deutsches Umsatzsteuerlager eingelagert wurde, gilt eine Übergangsregelung bis zum 30.12.2029. Deine Bestandsware ist also vorerst geschützt. Für alle Neukäufe fällt jedoch ab sofort Umsatzsteuer an.
Wie hoch ist der aktuelle Goldpreis in Euro?
Stand 15. April 2026 liegt der Goldpreis bei rund 4.070 EUR pro Feinunze (ca. 4.800 USD). Das Gold-Silber-Ratio steht bei 61, was bedeutet, dass man für eine Unze Gold etwa 61 Unzen Silber bekommt.
Quellen: BMF-Schreiben vom 09.04.2026 (III C 3 – S 7157-a/00005/001/052), Haufe, PwC, GOLD.DE, CME Group, World Gold Council, Gold-Magazin, Fortune
