Edelmetall-Wochenbericht KW 39/2026: 1.141 Tonnen Gold nach China
- Nach der chinesischen Zollstatistik hat China von Januar bis August rund 1.141 Tonnen Gold eingeführt — mehr als im gesamten Jahr 2025 und für rund 158,8 statt 96,5 Milliarden Dollar.
- Gleichzeitig gab der Goldpreis nach: rund 0,9 % gegenüber dem Vorwochenbericht, Platin 2,0 %, Palladium 2,7 %.
- Am Mittwoch folgte die stärkste Abwärtsbewegung der Woche auf überraschend starke US-Einkaufsmanagerindizes: 58,4 Punkte, höchster Stand seit Juli 2021, zugleich stärkster Kostendruck seit Oktober 2022.
- Silber steht auf dem Stand der Vorwoche — mit einer Spanne von rund sechs Prozent dazwischen.
Hook der Woche: 1.141 Tonnen nach China
Nach Auswertungen der chinesischen Zollstatistik hat China in den ersten acht Monaten dieses Jahres rund 1.141 Tonnen Gold eingeführt. Das ist mehr, als das Land im gesamten Jahr 2025 importiert hat. Seit Beginn der vergleichbaren Zollreihe im Jahr 2017 wurde in den ersten acht Monaten eines Jahres nicht so viel Gold eingeführt. Bezahlt wurden dafür rund 158,8 Milliarden Dollar — für ganz 2025 waren es 96,5 Milliarden.
Die Zahlen stammen aus der chinesischen Zollstatistik und wurden am 22. September veröffentlicht. Sie beschreiben acht Monate, nicht diese Woche. Trotzdem stehen sie in einem bemerkenswerten Kontrast zu dem, was die Kurstabelle weiter unten zeigt: Gold, Platin und Palladium haben in den vergangenen sieben Tagen nachgegeben.
Zwei sehr verschiedene Größen treffen damit in derselben Woche aufeinander: ein Goldpreis, der über wenige Tage nachgibt, und eine neu veröffentlichte Rekordzahl für acht Monate Einfuhr. Beide gehören in diesen Bericht, aber sie messen nicht dasselbe.
Warum gerade jetzt
Der Grund ist unspektakulärer, als es klingt. In China wird Gold seit Monaten mit einem Aufschlag gegenüber dem Weltmarktpreis gehandelt. Wer eine Einfuhrlizenz besitzt, kann Metall im Ausland günstiger einkaufen, als es im Inland kostet. Dieser Abstand zieht Ware ins Land, solange er besteht.
Dazu kommt der Wechselkurs: Der Yuan hat gegenüber dem Dollar zugelegt. Für einen chinesischen Käufer ist dieselbe Unze damit billiger geworden, auch wenn der Dollarpreis unverändert geblieben wäre. Und drittens lag der internationale Goldpreis deutlich unter den Höchstständen vom Jahresbeginn, wodurch sich Gold in Yuan gerechnet günstiger einführen ließ als zu den Spitzenständen.
Was die Zahl nicht sagt
Sie sagt nicht, dass China in dieser Woche 1.141 Tonnen gekauft hätte. Es sind kumulierte Einfuhren über acht Monate, veröffentlicht in dieser Woche. Wer daraus eine Wochenmeldung macht, rechnet falsch.
Sie sagt auch nichts darüber, wohin der Preis als Nächstes läuft. Einfuhren sind eine Mengengröße, keine Prognose. Was sie zeigt, ist die Menge, die in acht Monaten als Einfuhr erfasst wurde — nicht die Stimmung einer einzelnen Woche.
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Marktüberblick (Stand Donnerstag, 24.09.2026, 10:36 Uhr MESZ)
| Metall | Spot USD/oz | Δ zum Vorwochenbericht | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Gold | ~ 4.266 | −0,9 % | dritte Verlustwoche, aber die mildeste |
| Silber | ~ 63,7 | ±0 % | auf dem Stand der Vorwoche, mit großem Ausschlag dazwischen |
| Platin | ~ 1.751 | −2,0 % | schwächer als Gold |
| Palladium | ~ 1.270 | −2,7 % | schwächstes Metall der Woche |
EUR/USD: 1,1411 — Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 23.09.2026, gegen 1,1481 am 17.09.2026, rund −0,6 %. Die Zentralbank veröffentlicht ihren Tageskurs erst am Nachmittag, für den 24.09. lag zum Redaktionsschluss noch keiner vor. Überschlägig in Euro:
| Metall | EUR/oz | EUR/kg | Δ zum Vorwochenbericht |
|---|---|---|---|
| Gold | ca. 3.739 | ca. 120.199 | −0,4 % |
| Silber | ca. 55,8 | ca. 1.795 | +0,6 % |
| Platin | ca. 1.534 | ca. 49.326 | −1,5 % |
| Palladium | ca. 1.113 | ca. 35.783 | −2,1 % |
Gold-Silber-Verhältnis: 67,0 (Vorwoche 67,6) — Silber hat gegenüber Gold leicht aufgeholt.
Was diese Woche passiert ist
Ein Einkaufsmanagerindex, der aus der Reihe fällt
Die stärkste gemeinsame Abwärtsbewegung der Edelmetalle folgte am Mittwoch auf eine Veröffentlichung um 15:45 Uhr: S&P Global legte die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für die USA vor, und sie fielen deutlich stärker aus als erwartet.
| Index | August | September | erwartet |
|---|---|---|---|
| Industrie | 53,9 | 57,0 | 53,5 |
| Dienstleistungen | 56,5 | 58,7 | 56,0 |
| Gesamtindex | 56,0 | 58,4 | — |
Ein Wert über 50 bedeutet Wachstum. 58,4 ist der höchste Stand seit Juli 2021, der vierte Anstieg in Folge, und in der Industrie der stärkste Sprung seit Mai 2022. Für sich genommen ist das eine gute Nachricht über die amerikanische Wirtschaft.
Für Edelmetalle ist die zweite Hälfte der Meldung die wichtigere: S&P Global berichtete zugleich von steigendem Kostendruck. Die gemessene Teuerung bei den Vorleistungen lag so hoch wie zuletzt im Oktober 2022.
Was der Markt daraus gemacht hat
Starkes Wachstum und gleichzeitig höherer Kostendruck sprechen eher gegen schnelle Zinssenkungen. Am Markt wurde das als Signal für eine weiterhin restriktive Geldpolitik der US-Notenbank gelesen.
Die am Terminmarkt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung bis Dezember lag zu Wochenbeginn bei rund 88 Prozent und am Dienstag bei rund 90 Prozent. Der Dollar setzte nach der Veröffentlichung seinen Anstieg fort. Die Edelmetalle gaben im Anschluss nach — am Mittwochabend lag Silber zeitweise 3,9 Prozent tiefer, Platin rund 5 Prozent.
Die Reihenfolge ist dokumentiert: erst die Daten, dann der festere Dollar, dann die tieferen Metallkurse. Dass der Einkaufsmanagerindex die gesamte Bewegung allein erklärt, lässt sich daraus nicht ableiten. Mehrere Dinge liefen gleichzeitig, unter anderem ein Ölpreis, der am Dienstag auf ein Zweiwochentief fiel und am Mittwoch um vier Prozent zulegte.
Silber: still am Ende, laut dazwischen
Silber steht heute praktisch genau dort, wo es vor einer Woche stand. Das ist die unauffälligste Zeile der Tabelle und zugleich die irreführendste.
Dazwischen lag eine Spanne von rund sechs Prozent: Am Dienstag notierte Silber bei etwa 67,6 Dollar, am Donnerstagmorgen bei rund 63,7. Wer nur die beiden Donnerstage vergleicht, sieht davon nichts. Nach dem Rückgang von gut sechs Prozent in der Vorwoche ist diese Woche also keine Erholung, sondern eine Seitwärtsbewegung mit Ausschlägen.
Silber schwankt häufig stärker als Gold. Neben seiner Rolle als Edelmetall spielt dabei die konjunkturabhängige industrielle Nachfrage eine größere Rolle als bei Gold.
Platin und Palladium
Beide gaben stärker nach als Gold. Platin verlor rund 2 Prozent auf etwa 1.751 Dollar, Palladium rund 2,7 Prozent auf etwa 1.270 Dollar. Am Mittwoch war der Rückgang zeitweise deutlich ausgeprägter.
Neue belastbare Meldungen zur Nachfrage aus der Autoindustrie, zur Substitution zwischen beiden Metallen oder zur südafrikanischen Förderung gab es in dieser Woche nicht. Wer dazu eine Erklärung liest, liest eine Vermutung.
Seit Jahresbeginn sind beide die schwächsten der vier: Platin liegt rund 18 Prozent unter dem Stand vom 2. Januar, Palladium rund 23 Prozent. Gold liegt dagegen nahezu unverändert.
Einordnung und Ausblick
Was in dieser Woche nicht passiert ist
Drei Dinge, zu denen ich nichts Belastbares gefunden habe, und die ich deshalb auch nicht schreibe.
Zentralbankkäufe: keine neue Meldung im Berichtszeitraum. Der letzte Monatsstand des World Gold Council stammt vom 3. September und bezieht sich auf Juli. Ihn als Wochennachricht zu verkaufen, wäre eine Dopplung.
ETF-Bestände: Der World Gold Council weist seinen Stand zum 18. September aus und beschreibt die Zuflüsse der Vorwoche als in allen Regionen positiv. Eine sauber nachrechenbare Veränderung in Tonnen für diese Woche liegt nicht vor.
Deutschland: keine neue Regelung zu Umsatzsteuer, Haltefristen, Meldegrenzen oder Einfuhr aus der Schweiz. Die geltenden Vorgaben stehen unverändert.
Was als Nächstes kommt
| Termin | Zeit MESZ | Was | Warum es zählt |
|---|---|---|---|
| Di., 29.09. | 16:00 | US-Stellenangebote, August | Arbeitsmarkt verschiebt die Zinserwartung |
| Mi., 30.09. | 14:30 | US-Einkommen und Ausgaben mit PCE-Preisindex | das Inflationsmaß, auf das die Fed schaut |
| Do., 01.10. | 16:00 | ISM-Index Industrie, September | Gegenprobe zum Einkaufsmanagerindex dieser Woche |
| Fr., 02.10. | 14:30 | US-Arbeitsmarktbericht, September | Beschäftigung und Löhne |
| ab Mo., 28.09. | — | angekündigte Streiks am Goldkomplex Loulo-Gounkoto in Mali | möglicher Produktionsausfall, bisher nur angekündigt |
Der PCE-Preisindex am Mittwoch ist der wichtigste davon. Er misst dieselbe Frage, die der Einkaufsmanagerindex diese Woche aufgeworfen hat, nur mit harten Preisdaten statt mit Umfragen.
Was ich nicht sage
Ich sage nicht, dass die Zinserwartung der einzige Grund für die Kurse dieser Woche war. Ich sage nicht, dass die chinesischen Einfuhren den Preis stützen werden. Und ich sage schon gar nicht, ob der Zeitpunkt für irgendetwas günstig ist.
Was ich sagen kann: In dieser Woche standen sich zwei Beobachtungen gegenüber. Am Terminmarkt wurden höhere Zinserwartungen eingepreist, zeitgleich gaben die Edelmetallpreise nach. Und die neu veröffentlichten Zolldaten zeigen, dass China von Januar bis August Rekordmengen einführte. Beide Beobachtungen sind belegt, und beide zeigen in verschiedene Richtungen.
Häufige Fragen zu dieser Woche
Warum fällt der Goldpreis, obwohl China Rekordmengen einführt?
Weil beide Zahlen aus verschiedenen Märkten stammen. Der internationale Goldpreis bildet sich vor allem im Londoner Handel zwischen Banken und Händlern und im Futureshandel in New York. Dort wurde in dieser Woche vor allem eines gehandelt: die Erwartung, dass die US-Notenbank die Zinsen erneut anhebt. Die 1.141 Tonnen sind dagegen physische Einfuhren nach China über acht Monate, veröffentlicht am 22. September. Sie beschreiben, welche Goldmenge als Einfuhr nach China erfasst wurde — nicht, wohin der Preis als Nächstes läuft.
Was war der Einkaufsmanagerindex am Mittwoch, und warum bewegt er Edelmetalle?
Der Einkaufsmanagerindex ist eine monatliche Umfrage unter Einkäufern von Unternehmen. Ein Wert über 50 bedeutet Wachstum. Für September meldete S&P Global am 23. September einen Gesamtwert von 58,4 nach 56,0 im August, den höchsten Stand seit Juli 2021. Erwartet worden waren schwächere Werte. Zugleich meldeten die Befragten den stärksten Kostendruck seit Oktober 2022. Eine wachsende Wirtschaft mit steigenden Kosten spricht dafür, dass die Notenbank die Zinsen eher weiter anhebt als senkt. Höhere Zinsen erhöhen den relativen Nachteil eines Metalls, das keine Zinsen zahlt.
Silber steht auf dem Stand der Vorwoche. Heißt das, es war eine ruhige Woche?
Nein. Zwischen den beiden Donnerstagen lag eine Spanne von rund sechs Prozent: Am Dienstag notierte Silber bei etwa 67,6 Dollar je Unze, am Donnerstagmorgen bei rund 63,7. Der Wochenvergleich zeigt davon nichts, weil er nur zwei Punkte misst. Wer an einem der beiden Tage dazwischen hingeschaut hat, hat eine ganz andere Woche gesehen.
Was bedeutet es, wenn das Gold-Silber-Verhältnis von 67,6 auf 67,0 fällt?
Es bedeutet rechnerisch, dass man für eine Unze Gold diese Woche etwas weniger Unzen Silber bekommt als vorige Woche. Silber hat gegenüber Gold also leicht aufgeholt. Mehr sagt die Kennzahl nicht. Sie ist ein Verhältnis zweier Preise und enthält keine Aussage darüber, ob eines der beiden Metalle teuer oder günstig ist. Einen zeitlosen Normalwert gibt es nicht — der Durchschnitt hängt davon ab, welchen Zeitraum man betrachtet.
Gab es diese Woche Änderungen bei Steuern oder Meldepflichten für Edelmetalle in Deutschland?
Nein. Im Zeitraum vom 21. bis 24. September gab es keine neue Regelung zur Umsatzsteuer auf Barren, keine Änderung der Haltefrist, keine neue Identifizierungs- oder Meldegrenze beim Erwerb und keine neue Einfuhrregel für Barren aus der Schweiz. Die geltenden Vorgaben stehen unverändert. Steuerliche Fragen hängen vom Einzelfall ab und gehören in eine individuelle Prüfung; dieser Bericht ersetzt sie nicht.
Vertiefung: Ratgeber, Sparplan-Pillar und Glossar
- Goldbarren kaufen — Größen, Aufgeld, Echtheitsprüfung
- Silber kaufen — warum Silber anders schwankt als Gold
- Historischer Wertvergleich — wie sich Gold und Silber über lange Zeiträume entwickelt haben
- Silbersparplan und Goldsparplan — monatlicher Aufbau, Kosten, Eigentum
- Anlagegold und die Umsatzsteuer — was § 25c UStG regelt
- Zollfreilager für Edelmetalle — Lagerung außerhalb des Bankensystems
- Glossar — von Anleiherendite bis eingepreiste Zinserwartung
Was bedeutet das für dich?
Zuerst das Nüchterne: An deinem Bestand hat sich nichts geändert. Der Barren im Lager wiegt so viel wie vorige Woche. Geändert hat sich der Preis, zu dem andere ihn gerade handeln.
Diese Woche ist dabei vor allem eines lehrreich: Sie zeigt, wie unterschiedlich zwei Märkte denselben Rohstoff bewerten können. In New York wurde die Aussicht auf höhere Zinsen gehandelt. In Shanghai wurde Metall entgegengenommen, in Mengen, die es so noch nie gab. Keine der beiden Bewegungen ist falsch. Sie beantworten nur verschiedene Fragen.
Die Frage, die ich dir nicht beantworte
Bis hierher habe ich gerechnet. Ab hier bist du dran.
Der amerikanische Einkaufsmanagerindex steht auf dem höchsten Stand seit über vier Jahren, und im selben Atemzug melden die befragten Unternehmen den stärksten Kostendruck seit Oktober 2022. Wachstum und Teuerung zugleich. Was davon beschäftigt dich mehr — dass die Wirtschaft läuft, oder dass sie teurer läuft?
Deine Antwort darauf entscheidet, wie du die Tabelle oben liest. Ich sage dir nicht, welche die richtige ist. Ich sage nur, dass es sich lohnt, sie einmal bewusst zu geben, bevor die nächste Wochentabelle sie für dich beantwortet.
Wer das in Ruhe durchgehen möchte: Ich vermittle auf Wunsch den Kontakt zum Anbieter; der Vertrag kommt direkt mit dem jeweiligen Anbieter zustande. Das Erstgespräch dient der sachlichen Orientierung und kostet nichts.
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Dieser Wochenbericht ist eine persönliche Markteinschätzung von Alfred Lohmann und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Preise beruhen auf aktueller, eigener Marktrecherche (Stand: 24.09.2026, 10:36 Uhr MESZ). Wochenveränderungen beziehen sich auf den Stand des Vorwochenberichts vom 17.09.2026, 08:45 Uhr MESZ. Einkaufsmanagerindizes: S&P Global. Einfuhrmengen China: chinesische Zollstatistik. Leitzinsen und Projektionen: US-Notenbank, Europäische Zentralbank. ETF- und Zentralbankdaten: World Gold Council. Wechselkurs: Europäische Zentralbank. Anstehende Termine: US-Arbeitsstatistikbehörde, US-Wirtschaftsanalysebehörde, Institute for Supply Management.
| Metall | Am Stichtag | YE 2025 | Δ YTD | Verlauf |
|---|---|---|---|---|
| Gold | 3.760,39 € | 3.670,37 € | +2,5 % | |
| Silber | 56,17 € | 61,27 € | -8,3 % | |
| Platin | 1.543,50 € | 1.725,94 € | -10,6 % | |
| Palladium | 1.120,79 € | 1.334,26 € | -16,0 % |

