Edelmetall-Wochenbericht KW 40/2026: Krise, aber Gold fällt
- Gold fiel am Montag, 28.09., um gut 3 % auf ein Sieben-Wochen-Tief, obwohl sich die Lage am Golf zuspitzte.
- Die zehnjährige US-Rendite stieg zeitweise auf 5,33 %, den höchsten Stand seit 2002; Gold liegt 2,5 % unter der Vorwoche, in Euro 1,6 %.
- Die US-Inflation fiel weicher aus als erwartet, die Erwartung einer Fed-Erhöhung im Oktober sank von rund 70 % auf unter 40 %.
- Das dritte Quartal endet trotzdem im Plus: Gold knapp +4 %, Platin rund +10 %.
Hook der Woche: Krise, aber Gold fällt
Am Montag, dem 28. September, kam aus Washington eine Absage. Präsident Trump lehnte einen iranischen Vorschlag ab, die Straße von Hormus innerhalb von sieben Tagen wieder zu öffnen. Der Ölpreis stieg. Wer das Lehrbuch im Kopf hat, erwartet an so einem Tag einen steigenden Goldpreis.
Gold fiel. Bis zum Vormittag um gut 3 Prozent auf rund 4.156 Dollar je Unze, den tiefsten Stand seit dem 5. August. Silber verlor am selben Tag knapp 5 Prozent. Ich hätte das vorher auch anders getippt. Deshalb lohnt sich ein zweiter Blick auf diesen Montag.
Die Konkurrenz heißt Zins
Am selben Tag stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 5,24 Prozent. Bis Mittwoch kletterte sie auf 5,29 Prozent, am Donnerstag zeitweise auf 5,33 Prozent. So hoch stand sie laut Bloomberg zuletzt im Jahr 2002. Der Dollar wurde fester, und am Terminmarkt lag die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung der US-Notenbank im Oktober am Montag bei rund 70 Prozent.
Ein Goldbarren zahlt keine Zinsen. Das liegt in seiner Natur, hat aber einen Preis: Wer Gold hält, verzichtet auf das, was eine Anleihe im selben Zeitraum abwirft. Ökonomen nennen das Opportunitätskosten. Bei 1 Prozent Zins fällt dieser Verzicht kaum auf. Bei über 5 Prozent fangen viele an zu rechnen. Warum Anleihekurse fallen, wenn die Renditen steigen, erkläre ich in Warum Staatsanleihen wieder für Unruhe sorgen.
Die Krise am Golf war also da. Sie hatte in dieser Woche nur einen Gegenspieler. Ob Öl, Zins oder Dollar den größeren Anteil an der Bewegung hatten, lässt sich nicht sauber trennen, denn alles geschah am selben Tag. Deshalb schreibe ich hier „zeitgleich“ und nicht „wegen“.
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Marktüberblick (Stand Donnerstag, 01.10.2026, 16:23 Uhr MESZ)
| Metall | Spot USD/oz | Δ zum Vorwochenbericht | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Gold | ~ 4.158 | −2,5 % | vierte Verlustwoche in Folge |
| Silber | ~ 60,9 | −4,3 % | stärker unter Druck als Gold |
| Platin | ~ 1.714 | −2,1 % | schwache Woche, starkes Quartal |
| Palladium | ~ 1.190 | −6,3 % | schwächstes Metall der Woche |
EUR/USD: 1,1298 (Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 01.10.2026), gegen 1,1411 am 23.09.2026, rund −1 %. Der schwächere Euro dämpft den Wochenverlust für Käufer im Euroraum um knapp einen Prozentpunkt. Überschlägig in Euro:
| Metall | EUR/oz | EUR/kg | Δ zum Vorwochenbericht |
|---|---|---|---|
| Gold | ca. 3.680 | ca. 118.324 | −1,6 % |
| Silber | ca. 53,9 | ca. 1.734 | −3,4 % |
| Platin | ca. 1.517 | ca. 48.775 | −1,1 % |
| Palladium | ca. 1.053 | ca. 33.864 | −5,4 % |
Gold-Silber-Verhältnis: 68,2 (Vorwoche 67,0). Silber hat gegenüber Gold etwas Boden verloren.
Was diese Woche passiert ist
Ein Montag, fast die ganze Woche
Nimmt man den Montag heraus, bleibt von der Woche wenig übrig. Am Dienstag erholte sich Gold teilweise auf rund 4.190 Dollar. Am Mittwoch stieg der Preis kurz nach den US-Inflationsdaten bis auf rund 4.218 Dollar, gab den Gewinn bis zum Abend aber wieder ab. Laut Reuters überlagerten steigende Energiepreise und die Anleihemärkte die eigentlich freundlichen Daten. Am Donnerstag stabilisierte sich der Preis knapp unter 4.200 Dollar.
Inflation weicher als erwartet, Zinserwartung kippt
Am Mittwoch um 14:30 Uhr MESZ veröffentlichte die US-Wirtschaftsanalysebehörde den PCE-Preisindex für August, das Inflationsmaß, auf das die US-Notenbank am stärksten schaut. Die Gesamtrate lag bei 3,4 % zum Vorjahr, erwartet waren 3,7 %. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel lag bei 3,0 %, erwartet waren 3,3 %.
Die Erwartung einer Zinserhöhung im Oktober fiel danach von rund 70 % am Montag auf unter 40 %. Für Dezember bleibt sie bei rund 90 %. John Williams, Präsident der New Yorker Notenbank, sagte am Dienstag, eine weitere Anpassung „late this year“ könne angemessen sein, er sehe aber keine Dringlichkeit. Die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses ist am 27. und 28. Oktober.
Quartalsbilanz: schlechter September, gutes Quartal
Mit dem 30. September endete das dritte Quartal. Der September war für Gold mit rund −6,5 % ein schwacher Monat. Weil der August stark war, steht für das Quartal trotzdem ein Plus.
| Metall | 3. Quartal (30.06. bis 30.09.) in USD |
|---|---|
| Gold | knapp +4 % |
| Silber | rund +3 % |
| Platin | rund +10 % |
| Palladium | etwa unverändert |
Seit Jahresbeginn liegt Gold in Dollar rund 3 bis 4 % im Minus. In Euro gerechnet steht ein Goldbarren praktisch dort, wo er Anfang Januar stand, weil der Dollar in dieser Zeit zugelegt hat. Zum Rekord von Ende Januar mit knapp 5.600 Dollar fehlen rund 25 %, bei Silber rund die Hälfte. Die Quartalswerte sind gerundet und beruhen auf gemeldeten Schlusskursen.
Platin und Palladium
Palladium war mit −6,3 % das schwächste der vier Metalle. Eine neue belastbare Meldung zu Angebot oder Nachfrage gab es in dieser Woche nicht. Platin ist das Gegenstück im Quartal: rund +10 % seit Ende Juni, trotz des Minus in dieser Woche.
Der World Platinum Investment Council hatte am 9. September seine Prognose für 2026 von einem Defizit auf einen Überschuss von rund 265.000 Unzen gedreht, vor allem wegen Abflüssen aus börsengehandelten Fonds im ersten Halbjahr. Für das zweite Halbjahr erwartet er wieder ein Defizit.
China: Goldene Woche und ein höherer Aufschlag
Heute beginnt in China die Goldene Woche, die Feiertage dauern bis zum 7. Oktober. Traditionell eröffnen sie die Hauptsaison für Goldkäufe. Der Aufschlag in Shanghai gegenüber dem Londoner Preis lag zuletzt bei über 26 Dollar je Unze, dem höchsten Stand seit Ende Juni. Die chinesische Notenbank hat im August den 22. Monat in Folge Gold zugekauft, gut 20 Tonnen. Die Zahl für September kommt voraussichtlich um den 7. Oktober.
Einordnung und Ausblick
Was in dieser Woche nicht passiert ist
Kein Shutdown: Die US-Regierung ist zum neuen Haushaltsjahr am 1. Oktober finanziert. Eine Übergangsfinanzierung läuft bis zum 11. Dezember, die Statistikbehörden veröffentlichen planmäßig.
ETF-Bestände: Die Septemberzahlen des World Gold Council liegen noch nicht vor. Im August erreichten die Bestände physisch hinterlegter Gold-ETFs mit 4.189 Tonnen einen Rekord. Daraus jetzt eine Septemberaussage zu machen, wäre geraten.
Deutschland: keine neue Regelung zu Umsatzsteuer, Haltefristen, Identifizierungsgrenzen oder Einfuhr aus der Schweiz. Die geltenden Vorgaben stehen unverändert.
Was als Nächstes kommt
| Termin | Zeit MESZ | Was | Warum es zählt |
|---|---|---|---|
| Fr., 02.10. | 11:00 | Inflation im Euroraum, Schnellschätzung September | erster Monatswert nach der EZB-Erhöhung vom 10.09. |
| Fr., 02.10. | 14:30 | US-Arbeitsmarktbericht, September | Prognose rund 90.000 neue Stellen nach 162.000 im August |
| bis 07.10. | ganztägig | Goldene Woche in China | Nachfrage nach physischem Gold |
| um den 07.10. | offen | Goldreserven der chinesischen Notenbank, September | ob die Kaufserie einen 23. Monat erreicht |
| 27./28.10. | Entscheidung am 28.10. | Sitzung der US-Notenbank | weitere Zinserhöhung oder Pause |
Der Arbeitsmarktbericht am Freitag ist der wichtigste dieser Termine. Wie weit Prognose und Ergebnis auseinanderliegen können, hat der August gezeigt: Erwartet waren rund 50.000 neue Stellen, gemeldet wurden 162.000.
Was ich nicht sage
Ich sage nicht, dass Gold seine Rolle in Krisen verloren hat. Eine Woche ist dafür kein Beleg. Ich sage auch nicht, dass hohe Zinsen den Preis weiter drücken werden. Und ob der Zeitpunkt für irgendetwas günstig ist, sage ich schon gar nicht.
Was ich sagen kann: In dieser Woche hatte das Krisenargument einen Gegenspieler, der in Prozent pro Jahr gemessen wird. Wie stark er bleibt, hängt davon ab, wie lange die Zinsen so hoch stehen. Das weiß heute niemand, auch die US-Notenbank nicht.
Häufige Fragen zu dieser Woche
Warum ist der Goldpreis diese Woche gefallen, obwohl sich die Lage am Golf zugespitzt hat?
Am Montag, dem 28. September, kamen mehrere Entwicklungen zeitgleich zusammen. Der Ölpreis stieg, nachdem die USA einen iranischen Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus abgelehnt hatten. Zugleich stiegen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen, der Dollar wurde fester, und am Terminmarkt war eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank im Oktober mit rund 70 Prozent eingepreist. Gold fiel an diesem Tag um gut 3 Prozent. Welcher Faktor wie viel davon ausmachte, lässt sich aus den Daten nicht trennen.
Was haben US-Anleiherenditen mit dem Goldpreis zu tun?
Gold zahlt keine Zinsen. Wer Gold hält, verzichtet auf den Zins, den eine Anleihe im selben Zeitraum bringen würde. Steigt die Rendite, wird dieser Verzicht größer. Die zehnjährige US-Rendite lag am 1. Oktober zeitweise bei 5,33 Prozent, so hoch wie zuletzt 2002. Ein fester Zusammenhang ist das allerdings nicht: Es gab auch Phasen, in denen Gold und Renditen gemeinsam stiegen.
Hat Gold im dritten Quartal 2026 verloren?
Nein. Der September war mit rund minus 6,5 Prozent ein schwacher Monat. Weil der August stark war, endete das dritte Quartal für Gold trotzdem mit knapp 4 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn liegt Gold in Dollar leicht im Minus, in Euro gerechnet praktisch auf dem Stand vom Jahresanfang.
Warum fällt der Wochenverlust in Euro kleiner aus als in Dollar?
Weil sich auch der Wechselkurs bewegt hat. Der Euro fiel von 1,1411 auf 1,1298 Dollar (Referenzkurse der Europäischen Zentralbank vom 23. September und 1. Oktober 2026). Für Käufer im Euroraum wurde dieselbe Unze dadurch etwas teurer, das hat den Preisrückgang teilweise ausgeglichen. Gold verlor gegenüber dem Vorwochenbericht in Dollar 2,5 Prozent, in Euro 1,6 Prozent.
Was bedeutet die Goldene Woche in China für den Goldpreis?
Die Goldene Woche vom 1. bis 7. Oktober eröffnet in China traditionell die Hauptsaison für Goldkäufe. Der Aufschlag in Shanghai gegenüber dem Londoner Preis lag zuletzt bei über 26 Dollar je Unze, dem höchsten Stand seit Ende Juni. Ob daraus eine messbare Wirkung auf den Weltmarktpreis entsteht, zeigt sich erst im Nachhinein. Eine Prognose ist die Saison nicht.
Vertiefung: Ratgeber, Sparplan-Pillar und Glossar
- Goldbarren kaufen: Größen, Aufgeld, Echtheitsprüfung
- Silber kaufen: warum Silber anders schwankt als Gold
- Historischer Wertvergleich: wie sich Gold und Silber über lange Zeiträume entwickelt haben
- Goldsparplan und Silbersparplan: monatlicher Aufbau, Kosten, Eigentum
- Zollfreilager für Edelmetalle: Lagerung außerhalb des Bankensystems
- Glossar: von Realzins bis Leitzins
Was bedeutet das für dich?
An deinem Bestand hat sich nichts geändert. Der Barren wiegt so viel wie vor einer Woche. Geändert hat sich, was andere gerade dafür zahlen und wogegen sie ihn abwägen.
Diese Woche zeigt ziemlich deutlich, dass Gold nicht im luftleeren Raum gehandelt wird. Es konkurriert mit allem, was gerade Zinsen bringt. Bei über 5 Prozent auf eine US-Staatsanleihe wird diese Konkurrenz plötzlich sichtbar.
Die Frage, die ich dir nicht beantworte
Bis hierher habe ich gerechnet. Ab hier bist du dran.
Ein Barren zahlt keine Zinsen, eine Anleihe schon. Dafür hat die Anleihe einen Schuldner, der Barren nicht. Was ist dir wichtiger: ein laufender Ertrag oder ein Sachwert, der von niemandes Zahlungsfähigkeit abhängt?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht, und ich gebe dir auch keine. Es lohnt sich aber, sie einmal für dich selbst zu formulieren, bevor die nächste Zinsmeldung das für dich erledigt.
Wer das in Ruhe durchgehen möchte: Ich vermittle auf Wunsch den Kontakt zu den Anbietern, die ich geprüft habe; der Vertrag kommt direkt mit dem jeweiligen Anbieter zustande. Das Erstgespräch dient der sachlichen Orientierung und kostet nichts.
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Dieser Wochenbericht ist eine persönliche Markteinschätzung von Alfred Lohmann und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Preise beruhen auf aktueller, eigener Marktrecherche (Stand: 01.10.2026, 16:23 Uhr MESZ). Wochenveränderungen beziehen sich auf den Stand des Vorwochenberichts vom 24.09.2026, 10:36 Uhr MESZ. Quartalswerte gerundet auf Basis gemeldeter Schlusskurse. Inflationsdaten: US-Wirtschaftsanalysebehörde. Renditen und Leitzins: US-Notenbank. ETF- und Zentralbankdaten: World Gold Council. Platinmarkt: World Platinum Investment Council. Wechselkurs: Europäische Zentralbank.
| Metall | Am Stichtag | YE 2025 | Δ YTD | Verlauf |
|---|---|---|---|---|
| Gold | 3.697,16 € | 3.670,37 € | +0,7 % | |
| Silber | 53,97 € | 61,27 € | -11,9 % | |
| Platin | 1.530,62 € | 1.725,94 € | -11,3 % | |
| Palladium | 1.050,63 € | 1.334,26 € | -21,3 % |

