Edelmetall-Wochenbericht KW 19/2026
Marktübersicht
Gold: 3.985 EUR / 4.683 USD (+2,3 % / +2,8 %) | Silber: 65,36 EUR / 76,80 USD (+4,9 % / +5,5 %) Platin: 1.710 EUR / 2.010 USD (+1,5 % / +2,0 %) | Palladium: 1.304 EUR / 1.532 USD (+1,2 % / +1,7 %) Gold/Silber-Ratio: 61 (zurückgefallen von 63 — Silber dreht relativ Richtung Gold) USD/EUR: 0,8510 (1 EUR = 1,1751 USD)
Stand: 06.05.2026, ca. 16:30 Uhr · Live-Spotpreise gold.de, finanzen.net, Trading Economics
Der Hook der Woche: 3.150 Silbermünzen aus dem Acker
In der vergangenen Woche wurde in Norwegen ein Wikinger-Münzschatz entdeckt — 3.150 Silbermünzen aus den Jahren 980 bis 1040 nach Christus. Größter Fund seines Themas seit 1950 in Norwegen. Die Münzen kamen aus England, Deutschland, Dänemark und Norwegen, also genau aus dem Wirtschaftsraum, mit dem die Wikinger gehandelt haben. Zwei Sondengänger haben das Ganze auf einem Acker bei Rena in der Region Østerdalen ausgegraben.
Solche Schlagzeilen lese ich nicht zum ersten Mal. In den letzten Jahren tauchen alle paar Monate Funde dieser Art auf — mal in Norddeutschland, mal in Schweden, mal in Polen, mal eben in Skandinavien. Und jedes Mal frage ich mich dasselbe: Wie kommt ein Mensch dazu, einen Schatz dieser Größenordnung im Boden zu vergraben — und dann nicht zurück, um ihn zu holen?
Eine sehr ehrliche Geschichte über das Verlieren
Ich wette, dir ist mal etwas Wertvolles abhanden gekommen. Mir auch. Meistens sind es kleine Dinge — eine wichtige Notiz, ein Schlüssel, das Ladekabel. Manchmal größere Sachen. Und ich habe für mich beobachtet: Je verbissener ich suche, desto seltener finde ich es. Wenn ich eine Pause mache und später frisch dran gehe — Trefferquote deutlich höher.
Aber: Es gibt Dinge, an deren Verbleib ich kein Gedächtnis mehr habe. Verschwunden, weil zu lange weggelegt. Versteckt, weil es zu wertvoll war für die Schublade. Mit einem System verstaut, das ich heute nicht mehr nachvollziehen kann.
Genau das ist der Wikinger-Punkt. Der Bauer hat seinen Schatz vergraben, weil er ihn schützen wollte — vor wem auch immer. Wikinger-Hochphase 980–1040, das war keine ruhige Zeit. Vielleicht musste er auf einen Feldzug, vielleicht musste er fliehen, vielleicht ist er an Kälte oder Krankheit gestorben, bevor er zurück konnte. 1.000 Jahre später liegt sein gespartes Vermögen in einem Bauernfeld.
Was uns das heute sagt
Wir haben in Europa lange so getan, als ob es solche Risiken nicht mehr gibt. Keine Zollkontrollen, keine Fluchtfälle, keine Notwendigkeit, Wertgegenstände zu verstecken. Das stimmt für die letzten Jahre weitgehend — aber es stimmt nicht uneingeschränkt:
- Trump-Zollpolitik: Importe und Mitnahme von Edelmetallen werden international wieder genauer kontrolliert. Bei der Einreise in die USA mit physischem Gold über 10.000 USD bist du deklarationspflichtig. Das ist nicht neu, aber wieder relevanter.
- Reisen mit Münzen: Wer zwei Goldmünzen im Handgepäck hat, kommt durch — wer einen Tubel mit 50 Münzen einsteckt und nicht meldet, riskiert Beschlagnahme.
- Banküberfall der Geldautomaten oder Wohnungseinbruch: Wer Münzen zu Hause aufbewahrt, kennt die Risiken. Versicherungslimits sind oft sehr eng.
- Vergessen, vermachen, verstecken: Auch ohne dramatische Ereignisse — wenn ein Sammler das Lagern nicht systematisch dokumentiert und seine Familie nicht eingeweiht ist, kann ein Vermögen genau so im Verborgenen bleiben wie das des Wikinger-Bauern.
Mein Appell aus dem Wikinger-Fund
Ich meine das ernst, auch wenn es sperrig klingt: Münzsammler-sein als Vermögensstrategie ist riskanter, als es aussieht. Damit meine ich nicht die Numismatiker — wer Münzen sammelt aus Liebe zur Geschichte oder zum Handwerk, der weiß, was er tut, hat seinen Tresor, sein Versicherungs- und Inventarsystem.
Ich meine die anderen — die Privatleute, die sich aus Marktangst Münzen kaufen und in einer Schublade horten. Die Anfälligkeit für Fehler — Verlust, Diebstahl, Vergessen, Verlegen, Erbschafts-Dramen — ist im Verhältnis zu dem, was so ein Bestand bedeutet, einfach zu groß.
Wer Vermögen über Edelmetalle sichern will, sollte das mit Konzept tun: Steuerlich sauber strukturiert, professionell gelagert (Schweizer Zollfreilager, deutsche Lagerlösungen mit Übergangsregelung bis 2029, oder Heimtresor mit Versicherung), und mit klarer Nachfolge-Dokumentation. Der Wikinger-Bauer hat das nicht gemacht. Der Markt hat sich seit 1.000 Jahren weiterentwickelt — die menschliche Neigung zur Improvisation aber nicht.
Genau das ist der Faden, der sich durch diesen Bericht zieht: Edelmetalle als Vermögensbaustein sind richtig, das Wie macht den Unterschied.
Was diese Woche passiert ist
Silber: heute +5 % — und warum die Lager-Geschichte das eigentliche Argument ist
Die heutige Sitzung war für Silber spektakulär. Plus 4,93 % in Euro auf 65,36 € pro Feinunze, in Dollar sogar +5,48 % auf 76,80 $. Tagesrange 62,15 € bis 66,00 € — das ist eine Bewegung, die in normalen Sitzungen über mehrere Tage gestreckt wäre.
Der Auslöser ist nicht eine einzelne Schlagzeile, sondern eine Mischung:
- COMEX Mai-Kontrakt: Der nächste First Notice Day steht 3 Werktage entfernt. Aktuell 3.317 offene Kontrakte (≈ 16,6 Mio. Unzen) gegen einen registered-Bestand, der seit Monaten unter dem historischen Durchschnitt liegt.
- Shanghai-Premium: Silber dort weiter mit zweistelligem Aufschlag zur westlichen Notierung — das Ende April gemessene +12,7 % AM-Fix / +11,7 % PM-Fix ist eine harte Aussage über physische Knappheit in Asien.
- LBMA–Lease-Rate: 1-Monats-Lease in London steht aktuell bei rund 8 %, nach einem Spitzenwert von 39 % im Oktober 2025. Werte von 2-3 % gelten als normal — alles darüber ist Stress-Signal.
Die Silber-Lager-Historie auf einen Blick
Wenn man die Geschichte der letzten Jahre liest, sieht man, was vor sich geht. Hier die LBMA-Vault-Holdings (London) als Zeitreihe:
| Zeitpunkt | LBMA-Silberbestand | Bemerkung |
|---|---|---|
| März 2017 | 32.078 t | Vor-COVID-Niveau |
| April 2020 | 35.667 t | All-Time-High (COVID-Investment-Welle) |
| Januar 2021 | 34.346 t | Beginn der Drawdown-Phase |
| Mai 2025 | 23.791 t | Tiefpunkt — −33 % seit Peak |
| Juli 2025 | 24.199 t | Nach erstem Squeeze-Test |
| November 2025 | 27.187 t | Re-Buildung nach Squeeze |
| März 2026 | 27.487 t | aktueller Stand — 23 % unter Peak |
Heißt im Klartext: Die LBMA-Bestände sind seit dem April-2020-Höchststand um rund 23 % geschrumpft. Selbst nach der Re-Buildung durch Verlagerung von New York nach London im Spätherbst 2025 sind wir nicht annähernd auf dem alten Niveau. Und die COMEX-Seite ist noch krasser: Die registered-Bestände dort liegen rund 80 % unter ihrem 2021er Hoch.
Zur Einordnung: 2011, beim damaligen Silber-Squeeze auf 50 USD, gingen die COMEX-Bestände um etwa 30 % zurück und stabilisierten sich danach schnell. Die heutige Drawdown-Phase ist tiefer und länger als alles, was in den letzten 15 Jahren in den westlichen Lagerhallen zu sehen war. Das ist der strukturelle Hintergrund, vor dem die heutige Tagesbewegung stattgefunden hat.
→ Vertiefung: COMEX First Notice Day in 5 Minuten verstanden
Gold: Banken-Konsens zieht weiter nach oben
Der Goldpreis liegt mit 3.985 € / 4.683 $ wieder nahe am Allzeithoch (4.553 € intraday im Oktober 2025). In der Bank-Welt verschiebt sich der Konsens deutlich:
- Deutsche Bank hebt das 2026er-Kursziel auf 4.000 USD (vorher 3.700) — Begründung: Trumps Zollpolitik plus Sorgen um die Fed-Unabhängigkeit nach dem Powell-Wechsel.
- Morgan Stanley zieht auf 4.400 USD.
- JPMorgan erwartet im zweiten Quartal Werte „in der Nähe von 4.000 USD“.
- Vereinzelt deutlich mutigere Stimmen: Ein Mannheimer Vermögensverwalter hält 5.000 bis 10.000 USD bis Ende 2026 für möglich — das ist der Außenpunkt, nicht der Mittelwert.
Wichtig ist die Mechanik dahinter, nicht das exakte Kursziel. Drei Treiber sind genau jetzt aktiv:
- Powell-Übergabe Mai 2026: Jay Powell tritt in dieser Woche zum letzten Mal vor die FOMC-Mikrofone. Die Trump-Administration wird einen Vertreter installieren, der inhaltlich näher an einer akkommodierenden Geldpolitik steht. Der Markt preist das ein — Gold mehr, als es nach reiner Inflations-Logik gerechtfertigt wäre, weil der Vertrauensverlust in Fed-Neutralität selbst ein Treiber wird.
- Zollpolitik: Die jüngsten Maßnahmen (50 % auf Aluminium/Stahl/Kupfer, 50 % auf Importe aus Iran-Versorger-Ländern) und die Drohkulisse rund um den Strait of Hormuz halten die geopolitische Prämie hoch.
- Zentralbank-Käufe (s. eigener Abschnitt unten): Polen, China und einige weitere Staaten kaufen ohne Unterbrechung weiter, das stützt die strukturelle Nachfrage.
Platin und Palladium: kleines Plus, große Story dahinter
Platin heute +1,5 % auf 1.710 € (2.010 USD), Palladium +1,2 % auf 1.304 € (1.532 USD). Klein gegen Silber, aber konsistent mit dem Sektor-Aufwärtsmove der Woche. Die Platin-Gruppe (PGM) hat eigene Spielregeln — und das eigentliche Argument liegt 12 Monate weiter:
- Bank of America hebt das 2026er-Platin-Ziel auf 2.450 USD (von 2.000), Palladium auf 1.725 USD.
- Platin-Defizit 2025: laut WPIC 300.000 bis 400.000 Unzen, je nachdem ob Investmentnachfrage einbezogen wird.
- Palladium-Defizit 2026: erwartet bei 100.000 Unzen — klein, aber positiv (= keine Überversorgung mehr).
- South-Africa-Output Q1-Q3 2025: minus 5 % gegen Vorjahr, primär getrieben durch Hochwasser, Stromausfälle und Wartungsarbeiten.
- Russland: Norilsk Nickel hat den Output-Mix umgestellt, Platin −7 % YoY und Palladium −6 % YoY in den ersten neun Monaten 2025.
Heißt: Die Versorgungs-Engpässe sind nicht zyklisch, sie sind strukturell — Wetter, Geopolitik, Investitionsstau. Wer auf den Defizit-Pfad ab 2027 setzt (>600.000 oz/Jahr Platin laut WPIC), kann die heutigen Werte als Einstiegsfenster lesen. Aber: Beide Märkte sind klein, weniger liquide und entsprechend volatiler als Gold und Silber. Risiko nicht aus den Augen verlieren.
Strait of Hormuz: 10. Woche im Konflikt
Der Mittelost-Konflikt zwischen Iran und westlichen Akteuren rund um die Straße von Hormuz geht in die zehnte Woche. Diese Woche wieder Schlagzeilen: Ein Tanker wurde beschossen, kurz nachdem Trump angekündigt hatte, US-Kriegsschiffe würden zivile Tanker durch die Meerenge eskortieren. Iran droht mit Gegenmaßnahmen.
Was das für den Markt bedeutet: Energiepreise bleiben strukturell erhöht, die importierte Inflation in Europa ebenfalls. Genau das hält die Notenbanken in einer schwierigen Lage — die Fed zögert mit Zinssenkungen, weil die Inflation nicht zurückkommt; die EZB kann nicht beliebig vorpreschen, weil der Euro sonst zu schwach würde.
Für Edelmetalle ist das ein zweischneidiges Schwert: Geopolitische Prämie + Inflations-Hedge zugleich. Aber nicht jede Eskalation triggert mehr automatisch ein Gold-Sprung — der Markt hat gelernt, die Ölpreis-Mechanik vorab einzupreisen.
Zentralbanken Q1/2026: das stille Fundament hält
Die WGC-Quartalsdaten für Q1/2026 sind diese Woche aktualisiert worden. Das Bild ist gemischter als 2024 oder 2025, aber netto immer noch klar bullisch:
- Polen: +31 t im Quartal — größter Käufer, Bestand nun 582 t, Zielkorridor 700 t (laut Notenbank-Chef Glapiński).
- China (PBoC): +7 t in Q1 — die Käufe haben sich gegenüber dem Vorquartal mehr als verdoppelt. Gesamtbestand nun 2.313 t.
- Russland: erstmals seit Jahren Netto-Verkäufer, −15 t in Januar/Februar (Kriegsfinanzierung, Sanktions-Druck, fiskalische Engpässe).
- Türkei: −50 t im März — laut Notenbank für „Liquiditäts- und FX-Operationen“ verwendet, also nicht als strategische Reduktion gewertet.
- Q1 2026 netto: +244 t — etwa auf Höhe der Vorjahres-Quartalsraten.
Was du aus den Zahlen mitnehmen kannst: Die Käufe-Story ist intakt, aber differenzierter geworden. Es kaufen weiter die strategisch motivierten Käufer (Polen, China, Indien, einige Schwellenländer); es verkaufen die kriegsfinanziert oder fiskalisch gedrückten Akteure (Russland, mit Einschränkungen Türkei). Per Saldo bleibt die Notenbank-Nachfrage ein Hauptpfeiler des Goldpreises.
Industrie-Silber: Defizit-Jahr Nummer 6
Das Silver Institute hat die 2026er-Schätzungen geschärft. Die Eckwerte:
- Sechstes Defizit-Jahr in Folge — kumulativ über die Jahre fehlen mittlerweile mehrere hundert Millionen Unzen aus den Lagern.
- Globale Mine-Produktion: rund 830 Mio. Unzen pro Jahr, Wachstum nur 1–2 %.
- Industrie-Verbrauch: 4–6 % Wachstum jährlich, getrieben von Photovoltaik, EV (bis zu 50 g Silber pro Auto in komplexer Sensorik), 5G, AI-Rechenzentren.
- Photovoltaik isoliert: −7 % auf rund 194 Mio. Unzen, weil die Hersteller weiter Silber durch Kupfer-Pasten substituieren. Aber: Die globale PV-Kapazität wächst weiter mit ~15 % p.a., d. h. Silber-Verbrauch bleibt absolut auf hohem Niveau, nur weniger pro installiertem Kilowatt.
Heißt im Klartext: Die Substitution rettet keine Bilanz — sie verlangsamt nur das Tempo, mit dem das Defizit aufläuft. Die strukturelle Knappheit bleibt — Squeeze-Zyklen wie der vom Oktober 2025 oder der heutige Tagesausbruch sind die Konsequenz, nicht die Ursache.
Veränderungen seit letzter Woche (KW 18)
| Kennzahl | KW 18 (29.04.) | KW 19 (06.05.) | Trend |
|---|---|---|---|
| Gold (USD) | 4.533 | 4.683 | ↑ +3,3 % |
| Gold (EUR) | 3.877 | 3.985 | ↑ +2,8 % |
| Silber (USD) | 71,87 | 76,80 | ↑↑ +6,9 % |
| Silber (EUR) | 61,49 | 65,36 | ↑↑ +6,3 % |
| Platin (USD) | 1.900 | 2.010 | ↑ +5,8 % |
| Platin (EUR) | 1.625 | 1.710 | ↑ +5,2 % |
| Palladium (USD) | 1.463 | 1.532 | ↑ +4,7 % |
| Palladium (EUR) | 1.251 | 1.304 | ↑ +4,2 % |
| Gold/Silber-Ratio | 63 | 61 | ↓ Silber holt auf |
| USD/EUR | 0,8553 | 0,8510 | ↓ leicht schwächerer USD |
| LBMA-Silber-Vaults | ~27.487 t | ~27.487 t | → stabil, 23 % unter Peak |
| COMEX Silver Coverage | ~13–14 % | ~14 % | → strukturell knapp (7. Monat <15 %) |
| Shanghai-Silberprämie | ~12 % AM/PM | ~12 % AM/PM | → unverändert hoch |
Der Sektor hat seine Pull-back-Bewegung der KW 18 (Gold −4,6 %, Silber −7,9 %) mehr als wettgemacht. Die heutige Sitzung war der entscheidende Tag: Alle vier Metalle im Plus, Silber und Platin führen — also exakt die Hierarchie umgekehrt zur Vorwoche.
Einordnung & Ausblick
Diese Woche zeigt eine V-förmige Erholung mit klarer Hierarchie. Silber und Platin, die letzte Woche am stärksten verloren haben, drehen heute am stärksten — typisches Verhalten in dünn besetzten, hochbeta Märkten. Wer in den −7,9-%-Tagen der Vorwoche zugekauft hat, ist heute deutlich im Plus.
Die Lager-Story ist die wichtigste mittelfristige Erzählung. Wenn man die LBMA-Tabelle oben anschaut, ist die Botschaft klar: Wir sind seit 2020 in einem strukturellen Drawdown, der vom Markt absorbiert, aber nicht aufgelöst wurde. Die Re-Buildung im Spätherbst 2025 war ein Trostpflaster, kein Trendwechsel. Wer die nächsten 18 Monate durchhalten kann, sieht hier eine Geschichte, die sich auflösen muss — entweder durch deutlich höhere Preise (die Industrie zur Substitution zwingt) oder durch ein Versorgungs-Wunder (wenig wahrscheinlich angesichts der Mine-Output-Realität).
Die Powell-Übergabe ist der politische Turning-Point der nächsten Wochen. Welcher Name nominiert wird, wie schnell der Senate-Bestätigungsprozess läuft, wie der erste FOMC-Kommentar des neuen Vorsitzenden klingen wird — alles drei sind Trigger, die Gold und Silber kurzfristig mehr bewegen werden als jede Inflations-Statistik.
Die Iran-Hormuz-Volatilität bleibt — und mit ihr die Energiepreise, die importierte Inflation, die Zinspfad-Unsicherheit. Plane mit Schwankungen, nicht mit linearen Trends. Wer einen Sparplan laufen hat, ist davon weniger betroffen als jemand, der versucht, „den richtigen Moment“ zu finden.
Was ich beobachte für KW 20: Erstens den COMEX Mai-Silber-First-Notice-Day kommende Woche — die Liefer-Quote wird ein hartes Signal sein. Zweitens den nächsten WGC-Statistik-Update (April-Daten der Zentralbanken). Drittens die ersten Sondierungs-Reaktionen aus dem Senat zur Powell-Nachfolge. Viertens den Spread zwischen Shanghai- und westlichem Silber — wenn er sich weiter ausweitet, ist das ein Warnsignal an die Lieferfähigkeit der LBMA-Vaults.
Was bedeutet das für dich?
Zurück zu unserem Wikinger-Bauer. Er hat richtig gehandelt, was die Wahl des Wertspeichers angeht — Silbermünzen aus internationalem Handel, gut verteilt nach Herkunft, hochliquide für seine Zeit. Und er hat falsch gehandelt, was die Verwahrung angeht — vergraben ohne Plan B, ohne Erbschafts-Doku, ohne Mechanismus für den Fall der Fälle.
Genau diese Trennung — die richtige Asset-Klasse von der falschen Aufbewahrung trennen — ist das, was 2026 mehr denn je zählt. Drei sehr konkrete Hebel, die du diese Woche prüfen kannst:
Hebel 1 — Sparplan, der Schwankungen für dich arbeiten lässt
Die Tagesbewegung heute war +5 % bei Silber. Das klingt nach Glücks-Fall für den, der heute morgen gekauft hat — und nach Pech für den, der vor 3 Tagen bei 62 € rein ist und heute auf 65 € schaut. Beides sind aber keine sinnvollen Handlungs-Signale für den Privatanleger.
Sinnvoll ist ein Sparplan in gleichbleibenden Beträgen: Du kaufst monatlich für 100 €, 200 €, 500 €, was auch immer in dein Budget passt. Bei niedrigeren Kursen bekommst du mehr Anteile, bei höheren weniger — über 24 oder 48 Monate gemittelt landest du bei einem deutlich besseren Einstandspreis als jemand, der versucht, das Tief zu treffen. Cost-Average funktioniert besonders gut bei volatilen Anlagen wie Silber, weil die Schwankungen größer sind.
Hebel 2 — Lagerung, die zur Größe deines Bestands passt
Hier ist die Wikinger-Lehre. Wenn du:
- Bestand bis ~10.000 €: Heimtresor (eingemauert oder verschraubt), Hausratversicherung mit höherem Wertsachen-Limit prüfen, Familie eingeweiht.
- Bestand 10.000–50.000 €: Bankschließfach (mit Wertsachenversicherung — die Standardvolume sind oft begrenzt) oder ein professionelles Lager-Konzept im Inland.
- Bestand > 50.000 €: Schweizer oder Liechtensteiner Zollfreilager, oder strukturierte Lagerlösung mit getrennter Eigentumszuordnung. Hier zählt nicht nur das Lagern selbst, sondern die Dokumentation für Erbfall, Verkauf, Steuern. Bestandsware in deutschen Zollfreilagern: Übergangsfrist bis 30.12.2029 nicht aus den Augen lassen.
Was bei jeder Größe gleich gilt: Inventarliste. Foto. Dokument im Bankschließfach + digital im verschlüsselten Cloud-Speicher. Familie weiß, wo was liegt — oder zumindest wo die Liste liegt.
Hebel 3 — Strategie statt Sammlung
Wenn du gerade dabei bist, „aus dem Bauchgefühl“ Münzen zu kaufen — heute eine 1-Unze-Goldmünze, in zwei Wochen ein paar Silbermünzen, dann wieder eine Sammler-Edition — dann ist das Sammeln, nicht Sichern. Sammeln darf man, soll Spaß machen, hat seinen historischen und ästhetischen Wert. Aber Sammeln ist keine Strategie zur Vermögenssicherung.
Die strategische Alternative — der Liquiditätsplan in Stufen — sieht so aus:
- Stufe 1 — Notgroschen: Tagesgeld, 3–6 Monatsausgaben. Reine Verfügbarkeitsfrage, real wird Kaufkraft verloren.
- Stufe 2 — Mittelfristig: Anschaffungen 1–3 Jahre. Hier prüfen, ob die aktuelle Verzinsung mit der Inflation mithalten kann — meist nicht.
- Stufe 3 — Langfristig: Vermögensaufbau über 5+ Jahre. Hier gehören Edelmetalle hin — als Diversifikation, als Inflationsschutz, als Versicherung gegen die Risiken klassischer Sparprodukte. Aber: strukturiert, nicht zufällig.
Wer professionell Vermögen sichern will, sollte das mit Profis tun — Steuerberater, Versicherungsmakler mit Edelmetall-Erfahrung, gegebenenfalls Notar für Erbschaftsregelung. Der Wikinger-Bauer hatte diese Möglichkeiten nicht. Du schon.
Wer schon investiert ist
Nichts überstürzt zu tun. Die heutige Tagesbewegung ist Bewegung, kein Kaufsignal für die nächsten 12 Monate. Wer einen Sparplan laufen hat, lässt ihn laufen. Wer bei den niedrigeren Kursen letzter Woche zugekauft hat, sieht heute einen ersten Buchgewinn. Wer noch keine Position hat — siehe Hebel 1.
Lagerung & Steuer
Wer in deutschen Zollfreilagern hält: Frist 30.12.2029 für Bestandsware nicht vergessen. Übergangsperiode läuft, aber die langfristige Lager-Entscheidung sollte jetzt fallen, nicht im letzten Quartal vor Fristablauf.
Wichtig: Dieser Wochenbericht ist eine persönliche Markteinschätzung von Alfred Lohmann und stellt keine Anlageberatung dar. Für eine individuelle Beratung: Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
Quellen: Live-Spot-Preise 06.05.2026 (gold.de, finanzen.net, Trading Economics, JM Bullion); LBMA London Vault Data (historische Reihe März 2017 – März 2026); Silver Institute (World Silver Survey 2026, PV Magazine); CME Group / COMEX (Silver Coverage Ratio, May-Contract First Notice Schedule); Shanghai Gold Exchange (Silver Benchmark Premium); World Platinum Investment Council (Q1 2026 Quarterly); World Gold Council (Central Bank Gold Statistics Q1 2026); Spiegel Online (Norwegen-Wikinger-Münzfund 02.05.2026); Bank of America Securities, Deutsche Bank Research, Morgan Stanley Commodity Outlook 2026, JPMorgan Global Research (Q2 2026 Forecasts); Investing.com / Bloomberg (Iran-Hormuz-Berichterstattung KW 19).

