Edelmetall-Wochenbericht KW 42/2026: Bleibt Gold nach einem Jahr steuerfrei?
- Gold bleibt nach heutigem Recht steuerfrei, wenn du es privat länger als ein Jahr hältst. Der Plan des Finanzministeriums betrifft laut Bundestag nur Kryptowerte wie Bitcoin.
- In den USA stiegen die Preise im September um 3,7 %. Gleichzeitig wuchs die Erwartung höherer Zinsen, und der Goldpreis fiel am 14.10. zeitweise um rund 1,7 %.
- Am Donnerstag lag Gold wieder etwas über der Vorwoche, Silber 3,8 % darunter.
- In Deutschland wurde das Leben im September 3,3 % teurer, vor allem wegen Heizöl (+74,9 %) und Sprit (+37,1 %).
Hook der Woche: Bleibt Gold nach einem Jahr steuerfrei?
Ja, nach den heutigen Regeln bleibt es dabei. Wer Goldbarren privat kauft und mehr als ein Jahr später verkauft, zahlt auf den Gewinn keine Steuer. Ein Plan, das für Gold zu ändern, ist nicht bekannt. Trotzdem schreiben seit dem 12. Oktober einige Seiten im Internet, das Finanzministerium habe Gold „ins Spiel gebracht“, zum Beispiel BTC-Echo. Ich habe nachgesehen, was dahintersteckt.
Worum ging es am 12. Oktober im Bundestag?
Es ging um Bitcoin und andere Kryptowerte, nicht um Gold. Auch für Kryptowerte gilt heute: Wer sie länger als ein Jahr hält, zahlt beim Verkauf keine Steuer auf den Gewinn. Das Finanzministerium will das ändern. Nach seinem Entwurf sollen Gewinne aus Kryptowerten künftig immer besteuert werden, mit 25 Prozent. Gegen diesen Plan gibt es eine Bitte an den Bundestag, eine sogenannte Petition. Darüber hat der zuständige Ausschuss am 12. Oktober öffentlich gesprochen.
In der offiziellen Meldung des Bundestags steht: Die Ministerien sind sich über den Entwurf noch nicht einig, wie es ausgeht, ist offen. Gold kommt in der Meldung nur an einer Stelle vor, und zwar nicht beim Ministerium. Ein Steueranwalt, der die Absenderin der Petition begleitete, fragte, warum der Entwurf Kryptowerte anders behandelt als Gold. Aus dieser Frage wurde in manchen Berichten die Behauptung, das Ministerium plane etwas für Gold. Die Meldung des Bundestags gibt das nicht her.
Was gilt heute für deine Gold- und Silberbarren?
Die Regel steht in § 23 des Einkommensteuergesetzes und ist einfach:
- Verkauf nach mehr als einem Jahr: Der Gewinn zählt für das Finanzamt nicht als Einkommen. Du zahlst darauf keine Steuer. Fachleute nennen das „nicht steuerbar“.
- Verkauf innerhalb eines Jahres: Der Gewinn muss versteuert werden. Ausnahme: Liegen alle solchen Gewinne eines Jahres zusammen unter 1.000 Euro, bleiben sie steuerfrei.
Die Zeit zwischen Kauf und Verkauf heißt Haltefrist. Mehr dazu steht in meinem Überblick Edelmetalle und Steuern.
Ob die Regel für immer bleibt, kann niemand versprechen. Sicher ist nur: Der Entwurf, um den es geht, betrifft Kryptowerte, und selbst darüber ist die Regierung noch nicht einig. Wie die Regel in deinem eigenen Fall wirkt, klärst du am besten mit einem Steuerberater.
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Marktüberblick (Stand Donnerstag, 15.10.2026, 14:50 Uhr MESZ)
So haben sich die Preise seit dem letzten Wochenbericht vom 8. Oktober verändert. Die Preise gelten für eine Feinunze, das sind etwa 31,1 Gramm.
| Metall | Preis in Dollar je Unze | seit letzter Woche | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Gold | ~ 4.143 | +0,6 % | am Mittwoch kurz unter 4.100 |
| Silber | ~ 56,6 | −3,8 % | hat diese Woche am meisten verloren |
| Platin | ~ 1.620 | −1,9 % | so tief wie seit etwa drei Monaten nicht |
| Palladium | ~ 1.132 | +0,3 % | am Donnerstag wieder gestiegen |
Ein Euro kostete zum selben Zeitpunkt 1,1203 Dollar, fast genauso viel wie vor einer Woche (1,1184). Deshalb sehen die Veränderungen in Euro fast gleich aus. Ungefähr in Euro:
| Metall | Euro je Unze | Euro je Kilogramm | seit letzter Woche |
|---|---|---|---|
| Gold | ca. 3.698 | ca. 118.890 | +0,4 % |
| Silber | ca. 50,5 | ca. 1.623 | −3,9 % |
| Platin | ca. 1.446 | ca. 46.500 | −2,1 % |
| Palladium | ca. 1.010 | ca. 32.472 | +0,1 % |
Für eine Unze Gold bekommt man im Moment 73,3 Unzen Silber, vor einer Woche waren es 70,1. Diese Zahl heißt Gold-Silber-Verhältnis. Steigt sie, ist Silber im Vergleich zu Gold billiger geworden, und das schon die zweite Woche in Folge.
Was diese Woche passiert ist
Warum fiel Gold, als die Preise in den USA stiegen?
Gleichzeitig mit den neuen Preisdaten rechneten mehr Anleger damit, dass die Zinsen in den USA steigen. Und Gold bringt keine Zinsen. Am Mittwoch um 14:30 Uhr deutscher Zeit meldete das US-Arbeitsministerium: Die Preise in den USA waren im September um 3,7 % höher als ein Jahr zuvor. Im August waren es 3,4 %. Fachleute hatten 3,6 % erwartet, in einer Vorschau der Agentur Reuters stand 3,7 %. Wichtigster Grund war Benzin: Es wurde in einem einzigen Monat um 9,1 % teurer.
Auch ohne Energie und Lebensmittel stiegen die Preise etwas stärker als erwartet. Diese Zahl nennen Fachleute Kernrate. Sie lag bei 2,6 %, erwartet waren 2,5 %.
Gold war vor der Meldung schon leicht gefallen und fiel danach weiter. Um 15:03 Uhr kostete eine Unze nach Agenturberichten rund 4.086 Dollar, 1,7 % weniger als am Vortag. Gleichzeitig wurde der Dollar teurer, und an den Märkten stieg die Erwartung, dass die US-Notenbank am 28. Oktober die Zinsen erhöht. Aus Börsenpreisen lässt sich ablesen, wie wahrscheinlich der Markt so eine Erhöhung hält. Fachleute nennen das eingepreiste Zinserwartung. Vor der Meldung lag dieser Wert bei rund 20 %, kurz danach zeitweise bei 40 bis 50 %. Am Donnerstagmorgen waren es nach Agenturberichten wieder rund 30 %. Die Zahlen schwanken je nach Uhrzeit und Rechenweg.
Warum ist das für Gold wichtig? Ein Sparbuch oder eine Staatsanleihe bringt Zinsen, ein Goldbarren nicht. Steigen die Zinsen, verzichtet man mit Gold auf mehr Zinsen. Diesen Verzicht nennen Fachleute Opportunitätskosten. Der World Gold Council, ein Verband der Goldbranche, schreibt in einer Rückschau: Für den Goldpreis waren in der Vergangenheit die Zinsen nach Abzug der Inflation und der Dollar wichtiger als die Inflation allein.
Wie ging es danach weiter?
Am Donnerstag kostete Gold wieder rund 4.143 Dollar, etwas mehr als vor einer Woche. Gleichzeitig wurden der Dollar und die Zinsen für US-Staatsanleihen wieder etwas niedriger. Den Zins, den eine Staatsanleihe bringt, nennt man Rendite. Für zehnjährige US-Anleihen stieg er am Mittwoch zeitweise auf über 5,3 % und lag zum Schluss bei 5,19 % (US-Finanzministerium). Am Donnerstag waren es nach Agenturberichten rund 5,1 %. Am 8. Oktober hatte die US-Notenbank 5,22 % gemeldet. Der Anstieg vom Mittwoch war also bis Donnerstag wieder weg.
Warum verlor Silber mehr als Gold?
Silber schwankt im Preis immer stärker als Gold. Am Mittwoch verlor Silber bis zum Abend rund 6 %, Gold rund 1,5 %. Einen eigenen Grund dafür nennt keine der Agenturmeldungen, die ich gelesen habe. Eine Auswertung des World Gold Council und der Perth Mint zeigt: Seit 1991 schwankt Silber ungefähr doppelt so stark wie Gold. Dazu passt: Mehr als die Hälfte des Silbers wird laut Silver Institute in der Industrie verbraucht, zum Beispiel in Solarzellen und Elektronik. Läuft die Wirtschaft schlechter, braucht die Industrie weniger Silber. Außerdem ist der Silbermarkt viel kleiner als der Goldmarkt.
Was treibt die Preise in Deutschland?
Vor allem Heizöl und Sprit. Das Statistische Bundesamt hat am 13. Oktober bestätigt: Im September war das Leben in Deutschland 3,3 % teurer als ein Jahr zuvor, im August waren es 2,9 %. Heizöl kostete fast drei Viertel mehr als im Vorjahr (+74,9 %), Benzin und Diesel 37,1 % mehr. Strom und Gas waren dagegen billiger als vor einem Jahr. Ohne Heizöl und Sprit wären die Preise nur um 1,8 % gestiegen.
Seit dem 1. Oktober zahlt man an der Tankstelle bis zum Jahresende weniger Steuer: rund 17 Cent je Liter weniger bei Benzin und Diesel, wenn die Tankstellen das weitergeben (Zoll). In den Zahlen für September ist das noch nicht drin.
Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen sank laut Bundesbank von 3,54 % am 8. Oktober auf 3,48 % am 14. Oktober. Warum Zinsen und Anleihekurse sich gegenläufig bewegen, erkläre ich in Warum Staatsanleihen wieder für Unruhe sorgen.
Was machten Platin und Palladium?
Platin verlor in der Woche 1,9 % und war laut Marktberichten so billig wie seit etwa drei Monaten nicht. Palladium stieg am Donnerstag wieder und steht fast genau auf dem Preis der Vorwoche. Neue verlässliche Nachrichten zu Angebot oder Nachfrage gab es nicht. Der World Platinum Investment Council, ein Verband der Platinbranche, legt seine nächste Schätzung am 18. November vor.
Einordnung und Ausblick
Was in dieser Woche nicht passiert ist
Keine neue Steuerregel für Edelmetalle: Für Haltefrist, Mehrwertsteuer, Ausweispflicht beim Kauf oder Lagerung im Zollfreilager habe ich keine neue Regel, kein Urteil und keinen Hinweis einer Behörde gefunden.
Keine Zinsentscheidung: Die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank haben diese Woche nicht getagt. Beide entscheiden Ende Oktober.
Was als Nächstes kommt
| Termin | Uhrzeit | Was | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|---|
| Fr., 16.10. | 11:00 | Preisanstieg im Euroraum, September, endgültig | erste Schätzung: 3,8 % |
| So., 25.10. | – | Umstellung auf Winterzeit | US-Termine danach eine Stunde früher |
| Mi., 28.10. | 19:00 | Zinsentscheidung der US-Notenbank | höhere Zinsen oder Pause |
| Do., 29.10. | 13:30 | US-Wirtschaftswachstum und Preisanstieg bei den Konsumausgaben | an dieser Zahl misst die US-Notenbank ihr Inflationsziel |
| Do., 29.10. | 14:15 | Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank | Einlagenzins derzeit 2,50 % |
| Do., 29.10. | tagsüber | Preisanstieg in Deutschland, Oktober, erste Schätzung | erste Zahl mit der Steuersenkung an der Tankstelle |
Am meisten Aufmerksamkeit verdient die US-Zinsentscheidung am 28. Oktober. In dieser Woche fiel der Goldpreis genau dann, als die Erwartung höherer Zinsen stieg.
Was ich nicht sage
Ich sage nicht, dass die Steuerfreiheit nach einem Jahr für Gold für immer bleibt. Und ich sage nicht, wohin der Goldpreis jetzt geht.
Was ich sagen kann: Für die Meldungen über Gold habe ich keine amtliche Grundlage gefunden. Und der Goldpreis fiel am Mittwoch genau dann, als die Zinserwartung stieg, und erholte sich am Donnerstag, als die Zinsen wieder sanken.
Häufige Fragen zu dieser Woche
Bleiben Gewinne aus Gold nach einem Jahr steuerfrei?
Nach den heutigen Regeln ja. Wer Gold- oder Silberbarren privat kauft und mehr als ein Jahr später verkauft, zahlt auf den Gewinn keine Steuer. Das steht in § 23 des Einkommensteuergesetzes. Der Plan des Finanzministeriums, über den im Oktober 2026 berichtet wurde, betrifft laut Bundestag nur Kryptowerte wie Bitcoin, nicht Gold. Für den eigenen Fall ist ein Steuerberater der richtige Ansprechpartner.
Warum ist der Goldpreis gefallen, als die Preise in den USA stiegen?
Gleichzeitig mit den neuen Preisdaten rechneten mehr Anleger mit höheren Zinsen in den USA. Gold bringt keine Zinsen. Steigen die Zinsen, wird ein Sparbuch oder eine Anleihe im Vergleich attraktiver. Am 14. Oktober fiel Gold zeitweise um rund 1,7 Prozent. Am nächsten Tag, als die Zinsen wieder sanken, stieg es wieder.
Warum hat Silber mehr verloren als Gold?
Silber schwankt im Preis seit Jahrzehnten ungefähr doppelt so stark wie Gold. Mehr als die Hälfte des Silbers wird in der Industrie verbraucht, deshalb hängt der Preis stärker an der Wirtschaft. Außerdem ist der Silbermarkt viel kleiner. Am 14. Oktober verlor Silber bis zum Abend rund 6 Prozent, Gold rund 1,5 Prozent.
Steigen die Zinsen in den USA am 28. Oktober?
Das weiß heute niemand. Nach den neuen Preisdaten hielt der Markt eine Erhöhung für wahrscheinlicher als vorher, aber nicht für sicher. Am Morgen des 15. Oktober lag die Wahrscheinlichkeit nach Agenturberichten bei rund 30 Prozent. Die US-Notenbank gibt ihre Entscheidung am 28. Oktober um 19 Uhr deutscher Zeit bekannt.
Vertiefung: Ratgeber und Glossar
- Edelmetalle und Steuern: Haltefrist, Mehrwertsteuer und Firmenvermögen im Überblick
- Richtig besitzen: wann deine Barren wirklich dir gehören
- Inflation bekämpfen oder Finanzmärkte stabilisieren? Das Dilemma der Notenbanken
- Zollfreilager für Edelmetalle: Lagerung außerhalb des Bankensystems
- Glossar: Fachbegriffe einfach erklärt, von Leitzins bis Realzins
Was bedeutet das für dich?
An deinen Barren hat sich in dieser Woche wenig geändert. In Euro ist Gold etwas mehr wert als vor einer Woche, Silber fast 4 % weniger.
Die Meldungen zur Haltefrist erinnern an etwas, das jeder Barrenbesitzer selbst klären kann: Weißt du noch, wann du welchen Barren gekauft hast?
Die Frage, die ich dir nicht beantworte
Bis hierher habe ich Quellen geprüft. Ab hier bist du dran.
Wenn du morgen einen Teil deiner Barren verkaufen müsstest: Könntest du für jeden Barren zeigen, wann du ihn gekauft hast?
Eine Antwort, die für alle passt, gibt es nicht. Wer seine Kaufbelege an einem Ort aufbewahrt, muss im Fall eines Verkaufs nicht suchen.
Wer das in Ruhe durchgehen möchte: Ich vermittle auf Wunsch den Kontakt zu den Anbietern, die ich ausgewählt habe. Den Vertrag schließt du direkt mit dem jeweiligen Anbieter. Das Erstgespräch kostet nichts.
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Dieser Wochenbericht ist eine persönliche Markteinschätzung von Alfred Lohmann und stellt keine Anlageberatung und keine Steuerberatung dar. Die genannten Preise beruhen auf aktueller, eigener Marktrecherche (Stand: 15.10.2026, 14:50 Uhr MESZ). Veränderungen beziehen sich auf den Stand des Vorwochenberichts vom 08.10.2026, 12:49 Uhr MESZ. Uhrzeiten in deutscher Zeit. Bundestag: Pressemeldung hib 807/2026. Gesetz: § 23 EStG. Preise USA: US-Arbeitsministerium. Zinsen USA: US-Finanzministerium und US-Notenbank. Preise Deutschland: Statistisches Bundesamt. Steuersenkung: Zoll. Zinsen Deutschland: Deutsche Bundesbank. Goldmarkt: World Gold Council, Perth Mint. Silber: Silver Institute. Platin: World Platinum Investment Council. Wechselkurs: Marktkurs zum genannten Zeitpunkt.
| Metall | Am Stichtag | YE 2025 | Δ YTD | Verlauf |
|---|---|---|---|---|
| Gold | 3.721,28 € | 3.670,37 € | +1,4 % | |
| Silber | 51,23 € | 61,27 € | -16,4 % | |
| Platin | 1.458,24 € | 1.725,94 € | -15,5 % | |
| Palladium | 1.012,67 € | 1.334,26 € | -24,1 % |

