Edelmetall-Wochenbericht KW 43/2026: Palladium fällt um 17 Prozent
- Der Palladium-Preis fiel in den vier Wochen bis zum 21. Oktober um rund 17 % und fiel so tief wie seit September 2025 nicht. Rund 80 % des Palladiums gehen in Auto-Katalysatoren.
- Seit letzter Woche: Palladium −6,4 %, Gold −1,3 %, Silber −0,9 %, Platin −1,4 % (in Dollar).
- Gold fiel am Donnerstag unter 4.100 Dollar, zeitgleich mit teurerem Öl nach einem Drohnenangriff in Saudi-Arabien und steigender Zinserwartung in den USA.
- Nächste Woche entscheiden die US-Notenbank (28.10.) und die Europäische Zentralbank (29.10.) über die Zinsen.
Hook der Woche: Warum ist der Palladium-Preis so stark gefallen?
Vor allem, weil die Autoindustrie weniger davon braucht und Anleger Geld abziehen. Das sind die Gründe, die Marktberichte nennen. Palladium steckt vor allem in den Katalysatoren von Benzinautos. Am 21. Oktober kostete eine Unze im Handel rund 1.080 Dollar, so wenig wie seit September 2025 nicht mehr. In den vier Wochen davor verlor Palladium rund 17 %. Gold gab im selben Monat deutlich weniger nach. Ich habe nachgesehen, was hinter dem Rückgang steckt.
Wofür wird Palladium gebraucht?
Zum größten Teil für Autos. Rund 80 % des Palladiums wandern in Katalysatoren, die Abgase von Benzinmotoren reinigen, auch bei Hybridautos. Das zeigt ein Faktenblatt des Branchenverbands IPA mit Zahlen von Johnson Matthey vom Januar 2026. Chemie und Elektronik brauchen jeweils nur rund 5 %. Palladium gehört zu den Platinmetallen, wie Platin.
Auch das Angebot ist eng. Laut demselben Faktenblatt kommen rund 43 % des neu geförderten Palladiums aus Russland und rund 35 % aus Südafrika. Hängt so viel an einer Branche und an zwei Ländern, reagiert der Preis stark auf Meldungen aus diesen Bereichen.
Was drückt den Preis gerade?
Marktberichte nennen drei Gründe, die zeitgleich wirken:
- Elektroautos: Ein reines Elektroauto hat keinen Auspuff und braucht keinen Katalysator. Je mehr davon gebaut werden, desto weniger Palladium braucht die Autoindustrie. Hybridautos bremsen diesen Rückgang etwas.
- Anleger ziehen Geld ab: Seit Wochen fließt Geld aus Anlagen, die auf Palladium setzen.
- Zinserwartung: Palladium bringt keine Zinsen, genau wie Gold. Rechnet der Markt mit höheren Zinsen in den USA, verliert es an Reiz. Dazu unten mehr.
Wie stark das wirkt, zeigt der Vergleich im Handel, Stand 22. Oktober: Über einen Monat verlor Palladium rund 16,5 %, Gold rund 4,6 %. Palladium hat in diesem Monat also deutlich stärker reagiert.
Was heißt das für Barrenbesitzer?
Edelmetall ist nicht gleich Edelmetall. Gold hängt vor allem an Zinsen, Dollar und Notenbanken. Palladium hängt zusätzlich an einer einzigen Industrie. Das kann den Preis stärker schwanken lassen als den von Gold.
Dazu kommt ein Unterschied beim Kauf: Anlagegold ist in Deutschland von der Umsatzsteuer befreit, Palladiumbarren nicht. Auf sie fallen grundsätzlich 19 % Umsatzsteuer an, außer bei Lagerung im Zollfreilager. Mehr dazu in meinem Überblick Edelmetalle und Steuern. Für deinen eigenen Fall ist ein Steuerberater der richtige Ansprechpartner.
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Marktüberblick (Stand Donnerstag, 22.10.2026, 12:38 Uhr MESZ)
So haben sich die Preise seit dem letzten Wochenbericht vom 15. Oktober verändert. Die Preise gelten für eine Feinunze, das sind etwa 31,1 Gramm.
| Metall | Preis in Dollar je Unze | seit letzter Woche | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Gold | ~ 4.090 | −1,3 % | am Donnerstag unter 4.100 |
| Silber | ~ 56,1 | −0,9 % | am Donnerstag allein rund 3 % im Minus |
| Platin | ~ 1.598 | −1,4 % | knapp unter 1.600 |
| Palladium | ~ 1.060 | −6,4 % | so tief wie seit über einem Jahr nicht |
Ein Euro kostete zum selben Zeitpunkt 1,1223 Dollar, fast genauso viel wie vor einer Woche (1,1203). Deshalb sehen die Veränderungen in Euro fast gleich aus. Ungefähr in Euro:
| Metall | Euro je Unze | Euro je Kilogramm | seit letzter Woche |
|---|---|---|---|
| Gold | ca. 3.645 | ca. 117.180 | −1,4 % |
| Silber | ca. 50,0 | ca. 1.606 | −1,0 % |
| Platin | ca. 1.423 | ca. 45.760 | −1,6 % |
| Palladium | ca. 944 | ca. 30.350 | −6,5 % |
Für eine Unze Gold bekommt man im Moment 73,0 Unzen Silber, vor einer Woche waren es 73,3. Diese Zahl heißt Gold-Silber-Verhältnis. Sie hat sich kaum bewegt: Gold und Silber verloren seit letzter Woche ähnlich viel.
Was diese Woche passiert ist
Warum fiel Gold am Donnerstag unter 4.100 Dollar?
Gleichzeitig mit dem Rückgang stieg der Ölpreis, und der Markt rechnete fester mit höheren Zinsen in den USA. Am Mittwochmorgen fing die saudische Luftabwehr nahe dem Ölfeld Shaybah eine Drohne ab. Zwei Menschen starben, die Förderung lief laut saudischem Energieministerium weiter. Am Donnerstag kostete ein Barrel der Ölsorte Brent laut Reuters rund 112 Dollar, vor einer Woche waren es rund 106.
Teureres Öl kann die Preise insgesamt erhöhen, und dagegen setzen Notenbanken höhere Zinsen ein. Wie wahrscheinlich der Markt eine Zinserhöhung hält, lässt sich aus Börsenpreisen ablesen. Fachleute nennen das eingepreiste Zinserwartung. Für die Sitzung der US-Notenbank am 28. Oktober lag sie am Donnerstagmorgen nach Agenturberichten bei rund 15 %, für Dezember bei rund 91 %. Gold fiel am Donnerstag zeitweise auf rund 4.085 Dollar, so tief wie seit dem 14. Oktober nicht.
Der Dollar war in dieser Woche übrigens etwas schwächer. Er erklärt den Rückgang also nicht. Das Muster kennst du aus dem Wochenbericht KW 40: Unruhe in der Welt, und trotzdem gibt Gold nach, zeitgleich mit steigender Zinserwartung.
Was machten die Preise in Europa?
Sie stiegen deutlich, vor allem wegen Energie. Laut Eurostat war das Leben im Euroraum im September 3,8 % teurer als ein Jahr zuvor, im August waren es 3,2 %. Energie kostete 18,9 % mehr. Für Deutschland meldet Eurostat 3,3 %. In Großbritannien lag der Preisanstieg laut britischem Statistikamt im September bei 3,5 %, so hoch wie seit fast einem Jahr nicht.
Was machten die Zinsen in Deutschland und Frankreich?
Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen stieg laut Bundesbank leicht, von 3,42 % am 15. Oktober auf 3,44 % am 21. Oktober. In Frankreich lag die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen am 21. Oktober nach Agenturberichten erstmals seit 2002 zeitweise über 5 %. Hintergrund ist der Streit um den französischen Haushalt. Warum Renditen und Anleihekurse sich gegenläufig bewegen, erkläre ich in Warum Staatsanleihen wieder für Unruhe sorgen.
Was machte Platin?
Platin verlor in der Woche 1,4 % und lag am Donnerstag knapp unter 1.600 Dollar. Neue verlässliche Nachrichten zu Angebot oder Nachfrage gab es nicht. Der World Platinum Investment Council, ein Verband der Platinbranche, rechnet seit September für 2026 mit etwas mehr Angebot als Nachfrage. Seine nächste Schätzung legt er am 18. November vor.
Einordnung und Ausblick
Was in dieser Woche nicht passiert ist
Keine neue Steuerregel für Edelmetalle: Für Haltefrist, Umsatzsteuer, Ausweispflicht beim Kauf oder Lagerung im Zollfreilager habe ich keine neue Regel, kein Urteil und keinen Hinweis einer Behörde gefunden.
Nichts Neues zur Haltefrist: Der Plan des Finanzministeriums zu Kryptowerten, über den ich im Wochenbericht KW 42 geschrieben habe, ist weiter nicht beschlossen. Gold betrifft er nach allen Berichten, die ich gefunden habe, nicht.
Was als Nächstes kommt
Am Sonntag, 25. Oktober, stellt Deutschland auf Winterzeit um, die USA erst eine Woche später. Die Uhrzeiten unten sind deshalb deutsche Winterzeit.
| Termin | Uhrzeit | Was | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|---|
| Mi., 28.10. | 19:00 | Zinsentscheidung der US-Notenbank | Markt erwartet eine Pause, im Dezember eher eine Erhöhung |
| Do., 29.10. | 13:30 | US-Wirtschaftswachstum und Preisanstieg bei den Konsumausgaben | an dieser Zahl misst die US-Notenbank ihr Inflationsziel |
| Do., 29.10. | 14:15 | Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank | Einlagenzins derzeit 2,50 % |
| Mi., 04.11. | 11:00 | Preisanstieg im Euroraum, Oktober, erste Schätzung | zeigt, ob die Energiepreise weiter treiben |
| Do., 05.11. | 13:00 | Zinsentscheidung der Bank of England | Leitzins derzeit 3,75 % |
| Mi., 18.11. | tagsüber | neue Schätzung des World Platinum Investment Council | Angebot und Nachfrage bei Platin |
Am meisten Aufmerksamkeit verdient die US-Zinsentscheidung am 28. Oktober. In dieser Woche fielen Gold und Palladium zeitgleich mit steigender Zinserwartung.
Was ich nicht sage
Ich sage nicht, wohin der Palladium- oder der Goldpreis jetzt geht. Und ich sage nicht, dass der Rückgang bei Palladium vorbei ist.
Was ich sagen kann: Palladium hängt an einer Branche und an zwei Förderländern. Dazu passt, dass es in diesem Monat mehr als dreimal so viel verloren hat wie Gold.
Häufige Fragen zu dieser Woche
Warum ist der Palladium-Preis so stark gefallen?
Marktberichte nennen drei Gründe: Die Autoindustrie braucht weniger Palladium, weil mehr Elektroautos ohne Katalysator gebaut werden. Anleger ziehen Geld ab. Und der Markt erwartet höhere Zinsen in den USA, während Palladium keine Zinsen bringt. In den vier Wochen bis zum 21. Oktober 2026 verlor Palladium rund 17 Prozent und fiel auf den tiefsten Stand seit September 2025.
Wofür wird Palladium gebraucht?
Rund 80 Prozent des Palladiums werden für Katalysatoren gebraucht, die Abgase von Benzinmotoren reinigen, auch bei Hybridautos. Chemie und Elektronik brauchen jeweils nur rund 5 Prozent. Weil so viel an einer Branche hängt, reagiert der Preis stark auf Nachrichten aus der Autoindustrie. Die Zahlen stammen von Johnson Matthey (Januar 2026).
Fällt beim Kauf von Palladiumbarren Umsatzsteuer an?
Ja, grundsätzlich 19 Prozent. Anders als Anlagegold sind Palladiumbarren in Deutschland nicht von der Umsatzsteuer befreit. Eine Ausnahme gilt bei Lagerung im Zollfreilager. Beim Preisvergleich zwischen Gold und Palladium gehört die Umsatzsteuer deshalb dazu: Auf Palladiumbarren kommen 19 Prozent auf den Preis hinzu.
Warum ist Gold gefallen, obwohl es am Golf unruhig ist?
Zeitgleich mit dem Drohnenangriff nahe einem saudischen Ölfeld stieg der Ölpreis, und der Markt rechnete fester mit höheren Zinsen in den USA. Gold bringt keine Zinsen und verliert dann an Reiz. Am 22. Oktober 2026 fiel Gold zeitweise auf rund 4.085 Dollar je Unze, so tief wie seit dem 14. Oktober nicht. Der Dollar war in der Woche etwas schwächer und erklärt den Rückgang daher nicht.
Vertiefung: Ratgeber und Glossar
- Edelmetalle und Steuern: Haltefrist, Umsatzsteuer und Firmenvermögen im Überblick
- Anlagegold und die Umsatzsteuer: was § 25c UStG für dich bedeutet
- Inflation bekämpfen oder Finanzmärkte stabilisieren? Das Dilemma der Notenbanken
- Zollfreilager für Edelmetalle: Lagerung außerhalb des Bankensystems
- Glossar: Fachbegriffe einfach erklärt, von Leitzins bis Realzins
Was bedeutet das für dich?
Gold- und Silberbarren haben in dieser Woche in Euro rund 1 bis 1,5 % an Wert verloren, Palladium rund 6,5 %.
Der Unterschied zeigt, wie verschieden die Metalle sind, auch wenn sie im selben Tresor liegen.
Die Frage, die ich dir nicht beantworte
Bis hierher habe ich Quellen geprüft. Ab hier bist du dran.
Weißt du, wovon der Preis jedes Metalls abhängt, das du besitzt?
Eine Antwort, die für alle passt, gibt es nicht. Wer weiß, woran ein Metall hängt, kann eine Woche wie diese besser einordnen.
Wer das in Ruhe durchgehen möchte: Ich vermittle auf Wunsch den Kontakt zu den Anbietern, die ich ausgewählt habe. Den Vertrag schließt du direkt mit dem jeweiligen Anbieter. Das Erstgespräch kostet nichts.
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← Vorwoche: Edelmetall-Wochenbericht KW 42/2026
Dieser Wochenbericht ist eine persönliche Markteinschätzung von Alfred Lohmann und stellt keine Anlageberatung und keine Steuerberatung dar. Die genannten Preise beruhen auf aktueller, eigener Marktrecherche (Stand: 22.10.2026, 12:38 Uhr MESZ). Veränderungen beziehen sich auf den Stand des Vorwochenberichts vom 15.10.2026, 14:50 Uhr MESZ. Uhrzeiten in deutscher Zeit. Palladium: Faktenblatt IPA (Zahlen Johnson Matthey, Januar 2026). Ölfeld Shaybah: saudisches Energieministerium. Ölpreis und Zinserwartung: Reuters. Preise Euroraum: Eurostat. Preise Großbritannien: Office for National Statistics. Zinsen Deutschland: Deutsche Bundesbank. Platin: World Platinum Investment Council. Wechselkurs: Marktkurs zum genannten Zeitpunkt.
| Metall | Am Stichtag | YE 2025 | Δ YTD | Verlauf |
|---|---|---|---|---|
| Gold | 3.591,45 € | 3.670,37 € | -2,2 % | |
| Silber | 48,72 € | 61,27 € | -20,5 % | |
| Platin | 1.400,81 € | 1.725,94 € | -18,8 % | |
| Palladium | 938,42 € | 1.334,26 € | -29,7 % |

